Das bezaubernde Leben der Bohème im Schauspielhaus

Nah beim Kitsch und zum Heulen schön ist «Das Leben der Bohème» in der Oper von Giacomo Puccini. Im Kino erzählt Aki Kaurismäki das Künstlerleben lakonisch und melancholisch. Und im Zürcher Schauspielhaus wird daraus ein berührender, musikalischer Abend.

Fünf Männer sitzen um ein Loch, die Füsse hängen hinein. Sie halten ihre Hände in die Mitte.

Bildlegende: Schaunard (Jürg Kienberger, 2.v.r.) inmitten seiner Bohème-Freunde. zvg

Wie auf einem gestrandeten Floss sitzt ein Künstlergrüppchen in der Box im Zürcher Schiffbau. Das Floss ist schief und die Bretter sind morsch. So schief und morsch wie das Leben von Rodolfo, Marcel und Schaunard. Sie träumen vom Durchbruch als Maler, Schriftsteller oder Komponist. Aber sie leben in Armut, der Absturz und der Tod sind nah. Die Regisseurin Corinna von Rad erzählt die Szenen aus dem Leben der Bohème langsam und präzis. Mit wenig Worten und mit viel Musik. Und schafft so einen Theaterabend der tief berührt.

Jürg Kienberger – das grösste Glück

Es sei das grösste Glück, Jürg Kienberger dabei zu haben, schreibt Corinna von Rad im Programmheft. Der Musiker und Schauspieler gibt dem Abend mit seinem Spiel und seiner Musik etwas ganz Eigenes. Er lässt seine Mitspieler singen wie zu besten Marthaler Zeiten und spielt den Komponisten Schaunard - weit entfernt vom Pariser Charme, aber mit viel Schalk und Witz.