«Das Problem lässt sich nicht nur mit Aufrüsten lösen»

In den letzten Monaten wurden Polizisten immer häufiger Opfer von Gewalt. Auch in der Stadt Zürich. Demonstranten suchten gezielt die Konfrontation und griffen Polizisten an, mit Steinen, Böllern oder Leuchtraketen. Richard Wolff will das Problem vermehrt auch auf nationaler Ebene angehen.

2015 zählte die Zürcher Stadtpolizei insgesamt 17 Attacken auf Zürcher Stadtpolizisten. 2016 waren es bis Mitte Februar bereits sechs. Auch in anderen Schweizer Städten hat die Gewalt zugenommen.

Besserer Schutz und Ursachenforschung

Für Richard Wolff ein grosses Problem: «Wenn man als Chef merkt, dass es dem Personal nicht gut geht, es Angriffe gibt, dann ist das eine grosse Sorge.» Man sei aber dabei, Massnahmen zu ergreifen. In einem Projekt der Stadtpolizei Zürich werden zurzeit die Gründe für die zunehmende Gewalt analysiert. Einen Teil erklärt sich Richard Wolff mit dem allgemein gesunkenen Respekt in der Gesellschaft in den letzten 30, 40 Jahren. Die anderen Gründe müsse man genau anschauen und daraus Massnahmen ableiten.

Die Kritik des Schweizerischen Polizeiverbands, eine Analyse bringe nichts, es brauche vielmehr besseren Schutz, lässt Wolff nicht gelten: «Klar braucht es besseren Schutz mit Laserbrillen, Gehörschutz, Schutzwesten – das Problem lässt sich aber nicht nur mit Aufrüsten lösen.»

«Gewalt gegenüber Polizisten zeugt von Menschenverachtung»

Auch mit linksextremen Gruppierungen, die Angriffe auf Polizisten als Quittung für das Verhalten der Zürcher Polizei rechtfertigen, kann er nichts anfangen. «Es ist sehr menschenverachtend, Polizisten anzugreifen, wenn man mit mir nicht zufrieden ist.» Auch er sei nicht mit allen Einsätzen glücklich, darüber müsse man sprechen, aber: «Gewalt ist keine Lösung.» Ausserdem würden die meisten der 60'000 Einsätze pro Jahr friedlich ablaufen. «Es gibt Fehler, aber wir sind weit entfernt von einer Misere bei der Polizei.»

Problemlösung auf nationaler Ebene

Die Stimmung im Corps sei zwar angespannt, das Vertrauen und die Gesprächsbereitschaft seien aber nach wie vor da. Er spreche lokal mit dem Verband, gehe das Thema aber auch mit dem nationalen Verband an und spreche mit seinen Kollegen in anderen Städten wie Bern oder Basel. «Ich versuche, das Thema Gewalt forciert anzugehen, so wie wir es beim Fussball tun.» In Zukunft will Wolff noch stärker mitbestimmen, wie Polizistinnen und Polizisten vor Gewalt geschützt werden können.

(kerf; Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 17:30 Uhr)