Das Universitätsspital Zürich darf weiter Herzen verpflanzen

Keines der bestehenden Transplantationszentren in der Schweiz muss schliessen. Das haben die Schweizer Gesundheitsdirektoren beschlossen. Die geplante Reduktion von drei auf zwei Zentren ist damit vom Tisch. Zürich und das USZ sind erleichtert, der Gesundheitsökonom warnt vor Qualitätsverlust.

Ein Arzt in OP-Kleidung trägt ein eisgekühltes Herz in einer Plastiktüte in den Operatinssaal.

Bildlegende: Ein Herz für alle: Die Gesundheitsdirektoren schliessen keines der Transplantationszentren. Keystone

Der Entscheid hat sich abgezeichnet. Ein Expertengremium hatte die Qualität der Arbeit in den Transplantationszentren in Zürich, Bern und Lausanne untersucht. Es kam im Sommer zum Schluss, dass in allen drei Universitätsspitälern vergleichbar gut gearbeitet wird. Die angestrebte Beschränkung auf zwei Zentren für Herztransplantationen wurde daher fallen gelassen.

Erleichterung im Kanton Zürich

Das Universitätsspital Zürich darf also weiterhin Herzen verpflanzen. Er sei über diesen Entscheid «sehr, sehr froh», sagt Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger gegenüber dem «Regionaljournal Zürich Schaffhausen».

Die Taktik von Heiniger ist aufgegangen: Er hatte auf Zeit gespielt, um den angeschlagenen Ruf des Universitätsspitals in diesem Bereich wieder zu festigen. Der Ruf hatte nach dem «Fall Voser» gelitten: Vor laufenden Fernsehkameras war im Jahr 2004 eine Herztransplantation schief gegangen.

«Anerkennung für die Ärztinnen und Ärzte»

Auch beim Universitätsspital Zürich (USZ) ist die Erleichterung gross: «Mir ist ein Riesenstein vom Herz gefallen», sagt der ärztliche Direktor Jürg Hodler. «Das Ja zu den Herztransplantationen ist auch eine Anerkennung für die Mitarbeiter und eine Bestätigung, dass bei uns Spitzenmedizin betrieben wird.»

Drei Jahre lang wussten die Herzchirurgen am USZ nicht, wie es weiter geht. «Der politische Druck war gross», sagt Hodler. Er habe das Spital aber auch voran gebracht. So entstanden in dieser Zeit neue Projekte mit ETH und Universität, mit dem Spital St. Gallen wurde eine Zusammenarbeit aufgegleist und das neue Herzzentrum mit eigens eingerichtetem Spitaltrakt feiert im Oktober Eröffnung.

«  Für die Patienten ist dies ein sehr schlechter Tag. »

Willy Oggier
Gesundheitsökonom

Die positive Stimmung mag Gesundheitsökonom Willy Oggier nicht teilen. «Aus gesundheitsökonomischer Sicht ist dieser Entscheid ein Armutszeugnis», sagt Oggier. Wenn die wenigen Herztransplantationen in der Schweiz auf drei Zentren aufgeteilt werden, dann fehle es den einzelnen Ärztinnen und Ärzten an Praxis. «Es dauert länger, bis die Operateure genug Erfahrung mit neuen Methoden haben.»