«Der Fall Carlos ist eine lange Geschichte des Scheiterns»

Politik und Medien hätten im Fall Carlos auf der ganzen Linie versagt, findet Renato Rossi. Der frühere Leiter des Massnahmenzentrums Arxhof verteidigt das Schweizer Jugendstrafrecht, kritisiert aber ausufernde Sondersettings. Carlos wäre auf anderem Wege besser geholfen worden.

Wie «Bluthunde» seien die Journalisten über den jugendlichen Straftäter Carlos hergefallen, sagt Renato Rossi. Für den Psychologen und langjährigen Leiter des Massnahmenzentrums Arxhof in Basel-Land ist der Fall Carlos eine «völlig aufgeblasene Medien-Geschichte».

Wer versagt habe, seien nicht etwa die Involvierten im Jugendstrafvollzug, sondern die Medien – aber auch die Behörden. «Der Fall Carlos ist eine lange Geschichte des Scheiterns des Staats», sagt Rossi als Wochengast des «Regionaljournal Zürich Schaffhausen».

Die Gleichaltrigen als Vorbild

Nach dem Teil-Freispruch für Carlos vor dem Bezirksgericht Dietikon diese Woche hofft der Psychologe nun, dass Carlos auf den rechten Weg kommt. «Das wünsche ich mir sehr», sagt er.

Generell kritisch äussert sich der heute selbständige Berater gegenüber Sondersettings, wie sie im Fall Carlos angeordnet worden sind. Im Falle eines renitenten Jugendlichen, der sich ständig auf Machtspiele einlasse, sei eine Unterbringung mit Gleichaltrigen in einem Heim die bessere Lösung.

(Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 17:30 Uhr)