Der grössten Turmuhr Europas ganz nah

Die Kirche St. Peter prägt zusammen mit dem Grossmünster und dem Fraumünster die Skyline der Zürcher Altstadt. Der ruhige, etwas behäbige Turm sticht die anderen Kirchen mit seiner Uhr aus. Mit einem Durchmesser von achteinhalb Metern hat die Turmuhr das grösste Zifferblatt Europas.

Die Kirche St. Peter auf der linken Seite der Limmat war für Zürich immer schon wichtig. Er war Wachturm und Kirchenturm in einem. Und im späten Mittelalter, kaum waren die ersten mechanischen Uhren fertig entwickelt, montierten die Zürcher Stadtväter im Jahr 1366 die erste mechanische Uhr an der Turmseite gegenüber dem Rathaus, die Richtung Limmat zeigte.

«  Zürich wollte eine Vorreiterrolle spielen in Europa und zeigen, dass die Stadtverwaltung etwas bieten kann. »

Dölf Wild
Zürcher Stadtarchäolog

200 Jahre später rüstete Zürich auf. Der St. Peter erhielt die grösste Turmuhr Europas, auf jeder Turmseite ein Zifferblatt mit einem Durchmesser von achteinhalb Metern. Die Zeit an der Uhr am St. Peter wurde die offizielle Stadtzeit. Alle Uhren mussten sich bis ins 20. Jahrhundert nach dem St. Peter richten. Heute hat die Uhr in dieser Hinsicht an Bedeutung verloren. Nur noch am Sechseläuten ist sie tonangebend. Wenn es abends 6 Uhr schlägt am St. Peter, wird auf dem Sechseläutenplatz am Bellevue der «Böögg» angezündet und verbrannt.

Die grosse Renovierung der Turmuhr

Bis heute ist die Turmuhr die grösste von Europa. Die Ziffern sind knapp einen Meter lang, der Minutenzeiger fünfeinhalb Meter und 94 Kilogramm schwer, der Stundenzeiger ist knapp 5 Meter lang und 74 Kilogramm schwer. Bis 1996 wurde das Uhrwerk mechanisch betrieben. Seit der Renovation sind die Uhr, das Zeigerwerk und die Glocken computergesteuert. Allerdings macht der Minutenzeiger immer noch einen Ruck, wenn er die 45 Zentimeter von Minute zu Minute zurücklegt.

«  Computergesteuert könnte sich der Minutenzeiger problemlos regelmässig bewegen, aber die Zürcher wollten den typischen Zürcher-Ruck.  »

Thomas Muff
Leiter der Muff Kirchturmtechnik AG

Dieses Merkmal wollten die Zürcher auch mit der neuen Uhr beibehalten. Die grösste Herausforderung während der Renovation war die Demontage der Ziffern und Zeiger. «Wir konnten die goldigen Ziffern und Zeiger nicht einfach auf der Gasse lassen, wir mussten einen Wachtposten aufstellen, damit die Leute die Ziffern nicht ständig berührten», erzählt Thomas Muff, der das Uhrwerk renovierte und heute noch betreut. Ein knappes halbes Jahr dauerte die Renovation - im Oktober 1996 hatten die Zürcher ihre Zeit wieder.

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