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Der zerbrochene Krug Ein düsteres Kammerspiel am Schauspielhaus Zürich

«Der zerbrochene Krug» von Heinrich von Kleist kann viel sein: lustiger Dorfschwank, Tragikomödie, Tragödie. Bei Barbara Frey wird der Klassiker zum beklemmenden Abend.

Die Darstellerinnen und Darsteller in Freys Inszenierung «Der zerbrochene Krug» am Schauspielhaus Zürich.
Legende: Düstere Bühne, grossartige Darstellerinnen und Darsteller: Barbara Freys Inszenierung von Kleists Lustspiel überzeugt. ZVG Schauspielhaus Zürich/Matthias Horn

In der Inszenierung von Barbara Frey hat Richter Adam wesentlich mehr verloren, als nur seine Perücke. Nackt, splitterfasernackt hockt er da. Der Kopf ist blutig, der ganze Körper zerkratzt. Kein schöner Anblick, und man ist richtig dankbar, wenn er sich endlich seine schwarze Richterrobbe anzieht. Dann muss er sich 90 Minuten lang um Kopf und Kragen reden. Dieser Dorfrichter, der seine Macht missbrauchte, so wie heute noch mächtige Männer damit für Schlagzeilen sorgen.

Alles andere als eine Dorfposse

Barbara Frey inszeniert den Klassiker von Heinrich von Kleist als düsteres Kammerspiel. Die Bühne bleibt fast leer. Nur ein seltsam rundes Gebäude, ein Zylinder, steht in der Mitte. Es dreht sich und gibt den Blick frei in beengende Kammern. Zeitlos sind auch die Kostüme, gewöhnliche Kleider, alle in braun, grau oder schwarz. Belebt wird diese Szenerie nur von der Intensität der Schauspieler und vor allem von Markus Scheumann.

Sein Dorfrichter Adam ist kein gemütlicher Lüstling mit Schmerbauch. Dieser Richter Adam ist eher ein Psychopath, der manipuliert und intrigiert. Nach pausenlosen 90 Minuten hockt er wieder splitterfasernackt da. Und rund um ihn ist wesentlich mehr zerbrochen, als einfach nur ein Krug.

(simd; Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 17:30 Uhr)