Die leeren Gotteshäuser mit neuem Leben füllen

Kinderkrippe statt Bibelstunde: Die reformierte und die katholische Kirche arbeiten gemeinsam mit der Stadt Zürich an einer Strategie, um die halbleeren Kirchen besser auszunutzen. Ein Inventar aller Sakralbauten soll den Kirchen die Entscheidung erleichtern, welche Gotteshäuser sie abgeben wollen.

Das Zürcher Grossmünster

Bildlegende: Die Zürcher Kirchen sollen wiederbelebt werden. Keystone

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Vor 50 Jahren zählte die reformierte Kirche in der Stadt Zürich mehr als 250'000 Gläubige, heute sind es noch rund 90'000 - fast dreimal weniger. Umgekehrt hat sich die Zahl der reformierten Kirchen fast verdoppelt, von 27 auf 47.

Bei den Katholiken ist die Entwicklung zwar weniger drastisch, aber auch sie müssen sich die Frage stellen: Was geschieht mit unseren halbleeren Kirchen in der Stadt Zürich und wie können wie Unterhalt und Pflege der teuren Gebäude finanzieren?

Um diese Fragen zu beantworten gründeten die beiden Landeskirchen und die Stadt Zürich eine Kommission. Denn Ideen gibt es viele: Sie reichen vom Hort im Kirchgemeindehaus bis zur Disco in der Kirche.

Die Kirche nicht zu schnell in ein Bordell verwandeln

Während zwei Jahren hat die Kommission eine Art Inventar der 91 Sakralbauten in der Stadt zusammengestellt. Nun hat sie ihren Bericht vorgestellt: «Heute wird die Frage nach einer Umnutzung zu schnell gestellt», sagte Kommissionspräsident Daniel Kündig. Man spreche schon von einer Disco, einer Bibliothek oder einem Bordell, bevor man eine weitere kirchliche Nutzung überhaupt abgeklärt habe. «Es darf keine Liegenschaftsstrategie ohne kirchliche Strategie geben», sagte Kündig.

Dennoch ist er nicht prinzipiell gegen eine Umnutzung. In Leimbach etwa gebe es eine katholische und eine reformierte Kirche. Die beiden Konfessionen könnten sich künftig eine Kirche teilen und so Platz machen für soziale Wohnungen auf dem Grundstück der anderen Kirche.

Wertvolle Kirchen

André Odermatt (SP), Vorsteher des Hochbaudepartements, versprach, bei der Diskussion um eine neue Nutzung eines sakralen Gebäudes immer den kirchlichen Hintergrund im Auge zu behalten.

«  Die Kirchen sind zu wertvoll, um sie einfach abzuschliessen. »

André Odermatt
Stadtrat

Odermatt nannte Quartiercafés, Proberäume zum Musizieren oder Betreuungsangebote als Nutzungsmöglichkeiten. Um zu fantasieren brauche es Fakten, sagte der Hochbauvorsteher. «Diese haben wir nun zusammengetragen.» Die Objekte seien minutiös untersucht und bewertet worden. «Der Bericht ist beendet, nun kann die Arbeit beginnen», sagte Odermatt.