«Die Zürcher wissen nicht, wie toll ihr Kulturangebot ist»

Unter dem Titel «Geld, Macht, Liebe» hat sich an den Festspielen fast alles um William Shakespeare gedreht. Künstlerisch und wirtschaftlich seien es gute Festspiele gewesen, sagt Festspiel-Chef Elmar Weingarten. Von den Zürcherinnen und Zürcher könnten sie aber offenbar noch mehr geschätzt werden.

Zuschauer auf dem Sechseläutenplatz

Bildlegende: Ein Publikumsmagnet: Die Oper «Aida», die auf den Sechseläutenplatz übertragen wurde. Keystone

Die genauen Besucherzahlen stehen zwar noch aus, Elmar Weingarten spricht aber von erfolgreichen Festspielen. Dass jedes Jahr noch mehr Besucher kommen würden, liege am Konzept: «Es zahlt sich aus, dass wir uns seit einigen Jahren thematisch fokussieren.»

Sehr gut besucht waren unter anderem verschiedene Zürcher Produktionen wie das «leicht gekürzte Gesamtwerk» von Shakespeare im Theater Rigiblick. Auch der Theaterparcours «Sturm in Patumbah» war stets ausverkauft.

Die Festspiele und das «Wahrnehmungsproblem»

Den Ruf, eine elitäre Angelegenheit und in der Stadt nicht präsent zu sein, hätten die Festspiele zu Unrecht: «Das ist ein Wahrnehmungsproblem», sagt Weingarten. Die Fahnen würden überall hängen, bei der «Oper für alle» seien 10'000 Leute auf den Sechseläutenplatz geströmt. Er räumt aber ein: «Es ist kein Glamourfestival wie Salzburg oder Luzern.» Verglichen mit diesen Festivals, sei auch das Budget viel kleiner.

Dass Heerscharen von Besuchern wegen der Festspiele nach Zürich reisen, hofft man deshalb nicht mehr. Sie sollen im Gegenteil ganz den Zürcherinnen und Zürchern gehören. Bei diesen ist die Botschaft aber offenbar noch nicht angekommen. «Es gibt ein bisschen ein Zürcher Problem», meint Weingarten dazu. «Die Zürcher wissen nicht, wie toll sie es hier haben, wenn es um Kultur geht.»

(kerf; Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 17:30 Uhr)