Ein echter Liberaler verlässt die Politik

Fast 30 Jahre lang sass der freisinnige Urs Lauffer in den Zürcher Parlamenten. Als liberal denkender Freisinniger ermöglichte er die «Koalition der Vernunft» und setzte sich zudem für eine fortschrittliche Sozialpolitik ein. Jetzt tritt der 55-jährige aus dem Kantonsrat und aus der Politik zurück.

Mann mit Brille in hellgrauem Anzug beim Sprechen

Bildlegende: Das Gegenteil eines Hinterbänklers: der freisinnige Urs Lauffer Keystone

Er hat die Zürcher Politik der letzten drei Jahrzehnte zweifellos stark mitgeprägt: Als Stadtzürcher Gemeinderat gab Urs Lauffer den Anstoss zur «Koalition der Vernunft» und liess FDP und SP Ende der 90er Jahre in dringenden Fragen am selben Strick ziehen. Nur so gelang es, die städtischen Finanzen zu sanieren, den Verkehr neu zu organisieren und die offene Drogenszene in den Griff zu bekommen. Lauffer: «Ich gehöre zu jenen, die glauben, Bürgerinnen und Bürger seien an Lösungen mehr interessiert als an ideologischen Debatten.»

Sozialpolitik im Fokus

Zudem setzte sich Lauffer in Stadt und Kanton für die Sozialpolitik ein. Er war sowohl in der städtischen Sozialbehörde als auch in der kantonalen Sozialkonferenz viele Jahre aktiv. Angesichts der grossen Gegensätze zwischen Arm und Reich im Kanton Zürich betrachtete er Sozialpolitik nicht nur als eine Sache der Sozialdemokratie, sondern auch der bürgerlichen Politik. Mit dieser Ansicht stand er in seiner Partei lange allein da und erfuhr oft auch Kritik aus den eigenen Reihen.

Freude an der Partei

Lauffer gilt - wie zum Beispiel auch der zurückgetretene Zürcher Stadtrat Martin Vollenwyder - als einer der wenigen noch echten Liberalen innerhalb der Zürcher FDP. Seit den freisinnigen Erfolgen bei den letzten Kommunalwahlen hat Lauffer wieder Freude an seiner Partei. Es sei jedenfalls nicht der Frust über den Schwund liberalen Gedankenguts innerhalb der FDP, der ihn dazu bewogen habe, sich aus der Politik zurückzuziehen: «Ich denke, 27 Jahre im Zürcher Rathaus sind genug. Ich will gehen, solange es noch jemanden gibt, der dies bedauert.»