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Regionaljournal Wochengast «Ein Gefängnis ist nie Kuscheljustiz»

Roland Zurkirchen leitet seit vier Jahren das Gefängnis Limmattal. Im Sommer wird er Direktor aller Zürcher Untersuchungsgefängnisse. Als neuer Chef möchte er die Haftbedingungen während der U-Haft verbessern. Mit Kuscheljustiz, betont er, habe das nichts zu tun.

Legende: Audio Im Gespräch mit Roland Zurkirchen (22.1.17) abspielen. Laufzeit 19:00 Minuten.
19 min, aus Regi ZH SH vom 22.01.2017.

Roland Zurkirchen hat als neuer Direktor der Zürcher Untersuchungsgefängnisse viel vor. «Mir wird bestimmt nicht langweilig», sagt er als Wochengast im «Regionaljournal Zürich Schaffhausen».

Auf die anhaltende Kritik an den Bedingungen in der Untersuchungshaft hat die Justizdirektion bereits reagiert. Dies, nachdem sich im Jahr 2015 fünf Häftlinge das Leben nahmen – darunter jene Mutter, die in Flaach ihre beiden Kinder getötet hatte. Im Gefängnis Limmattal soll eine neue Abteilung entstehen, die speziell auf die Bedürfnisse selbstmordgefährdeter Untersuchungshäftlinge ausgerichtet ist. Sie bietet bessere Betreuung, mehr Beschäftigung und mehr soziale Kontakte.

Untersuchungshaft in zwei Phasen

Damit ist es für Roland Zurkirchen jedoch noch nicht getan: «Die Zukunft liegt in einem Zweiphasenmodell in der Untersuchungshaft.» In der ersten Phase befinden sich Häftlinge, die wegen ihrer Gefährlichkeit oder wegen der Möglichkeit von Absprachen strengere Auflagen erhalten. «Ist dies nicht gegeben, gibt es auch andere Möglichkeiten», sagt er. Roland Zurkirchen will die Untersuchungshaft so weiter entwickeln, wie es der heutigen Gesellschaft angemessen ist. Der Freiheitsentzug soll auch in der U-Haft so organisiert sein, dass der Resozialisierung bereits von Anfang an Rechnung getragen wird.

Eine Einladung ins Gefängnis

Roland Zurkirchen ist sich bewusst, dass sich die Vorwürfe, Zürich habe zu strenge Haftbedingungen, schnell ins Gegenteil verkehren könnten. Der Ausdruck «Kuscheljustiz» komme häufig. «Ich bin der Meinung, ein Gefängnis ist nie Kuscheljustiz», hält er allerdings fest. Roland Zurkirchen lädt deshalb zur Besichtigung ein: Jeder der meine, im Gefängnis sei es einfach, solle vorbeikommen und sich selbst ein Bild machen.

(Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 17:30 Uhr)

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Heidy Rüegg (heidy70)
    In Zürich hat es ja das Grand Hotel Dolder, oder das Baur au Lac usw. Mietet doch für Untersuchungshäftlinge in diesen Hotels Zimmer!
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  • Kommentar von Edi Steinlin (stoni)
    Jetzt wird erneut ein neue fragwürdige und teure Abteilung geschaffen, mit dem Ziel die Untersuchungshaft den Häftlingen angenehmer zu gestalten, in der Hoffnung, es würde keine Suizide mehr geben. Ob das den der Fall ist, steht in den Sternen. Ob eine zweigeteilte Untersuchungshaft die gleichen Ergebnisse bringt wie die jetzige, ist sehr fraglich ? Aber offensichtlich ist das nicht wichtig, Straftäter/innen müssen sich so wohl wie möglich fühlen und sofort nach der Tat resozialisiert werden ?
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  • Kommentar von Joel Busch (Joel)
    In Untersuchungshaft sitzt man bevor man überhaupt eine Gerichtsverhandlung hatte. Es ist also zu erwarten, dass einige Leute dort festgehalten werden und später vor Gericht freigesprochen werden, ergo unschuldig sind. Daher scheint es mir angebracht besonders da auf gute Haftbedingungen zu achten. Wenn schon einige Unschuldige im ordentlichen Verlauf der Justiz festgehalten werden müssen, dann bitte zu den besten Bedingungen. Diesen Anspruch müssen wir an die schweizer Justiz stellen.
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