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Zürich Schaffhausen Ein Satz und 15 Wörter für die persönliche Sprachanalyse

Als erste App überhaupt beherrscht «VoiceÄpp» die Spracherkennung von Schweizer Dialekten. Dazu spricht man einen Satz oder ein paar Wörter in sein Smartphone und erhält danach eine Analyse von Sprechweise und Dialekt. Gleichzeitig sammelt die App alle Eingaben in einer Dialekt-Datenbank.

Mockups von Iphones zeigen die drei wichtigsten Elemente der «VoiceÄpp». Im Hintergrund sind Alpen und Weiden sichtbar. Die Farben sind in blau und weiss gehalten. Das Bild ist unten am Rand abgeschnitten, da die Formatvorgabe von SRF das Originalformat nicht zulässt.
Legende: Stimmanalyse, Dialekterkennung, Dialektpanorama: die wichtigsten Elemente der «VoiceÄpp». ZVG

«Ich wünsche Ihnen auch ein gutes Neues Jahr, und da schickt euch die Mutter etwas zu essen: Es sind drei Kuchen, und da sind noch sechs Eier.» Wer diesen Satz auf Schweizerdeutsch in die «VoiceÄpp» spricht, erhält danach eine Analyse der eigenen Sprechweise: Wie schnell, wie langsam, wie hoch oder wie tief man selber spricht, oder wie die Stimme als Mann oder als Frau klingen würde.

Der Satz sei deshalb gewählt worden, weil davon bereits die frühesten Dialekt-Aufnahmen vorliegen würden – vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Dies erklärt Adrian Leemann. Er leitete drei Jahre lang ein Nationalfondsprojekt, in dem die Universitäten Genf und Zürich gemeinsam die «VoiceÄpp» entwickelten.

Spass haben und Dialekt-Datenbank erstellen

Doch die App kann noch mehr: Anhand von 15 Wörtern bestimmt «VoiceÄpp» den eigenen Dialekt und stellt ihn auf einer interaktiven Schweizerkarte dar. Weiter erfährt man viel über die Schweizer Dialekte und die Dialektforschung.

Das sei auch das Ziel der «VoiceÄpp» gewesen, sagt Adrian Leemann. Man wollte die eigene Forschung zugänglich machen und junge Leute für dieses Forschungsgebiet begeistern. Ganz uneigennützig ist die App jedoch nicht: Die Beispielsätze und -wörter, die man in die App spricht, nimmt die App auf und speichert sie in einer Dialekt-Datenbank.

Mögliche Anwendung in der forensischen Phonetik

«Wir verwenden die Daten nur für Forschungszwecke, und von den Aufnahmen lässt sich nicht auf Identitäten zurückschliessen», so Adrian Leemann. Noch ist offen, was mit den gesammelten Daten geschehen soll.

Ein mögliches Anwendungsfeld für die Daten sieht Leemann etwa in der forensischen Phonetik. Hierbei geht es darum, anhand der Sprechanalyse Täter identifizieren zu können. Bis dahin müssen aber noch viel mehr Leute mit der «VoiceÄpp» interagieren. Je mehr Leute nämlich ihre Spracheingaben in die App eingeben, desto detaillierter und umfangreicher kann die Dialekt-Datenbank werden.

(Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 12:03 Uhr)

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4 Kommentare

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  • Kommentar von M. Steiner, Winterthur
    So lange uns seltsame Werbekäuze in TV-Spots Wörter wie "Schmutz" oder "Mund" als Dialekt vormachen wollen, wäre eher eine Synonym-App für korrektes, reiches Schweizerdeutsch angebracht...
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  • Kommentar von W. Pip, Züri
    Lieber Herr Heusser, lassen Sie mich Ihren Beispielsatz virtuell einem heutigen Jugendlichen vorlegen und deren Antwort vorhersagen: „Ey, das isch voll schwul, was wotsch in de Pfütze, Mann?“ – Jugendsprache war zwar schon immer seltsam und anders, das muss so sein. Aber so unflätig, förmlich desinteressiert und mit dermassen schmalem Wortschatz wie heute war sie wohl noch nie ausgestattet…
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  • Kommentar von Enzo Heusser, 3095 Spiegel BERN
    Ich arbeite mit 10 jährigen "Kids " und Stelle fest dass berndeutsche Ausdrücke leider langsam verschwinden so verstehen heute die wenigsten : Mir si gwungerig u bücke üs zum choslä ir Glungä
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