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Stadtentwicklung Zürich Eine Oase mitten im Verkehr

Hektik, Lärm, Abgase: Der Bucheggplatz ist ein Unort. Ausgerechnet hier wollen drei Zürcherinnen eine kleine Beiz eröffnen.

Zwei Frauen und ein Kind stehen auf einem Platz
Legende: Die Initiantinnen: Lena Stauffer mit ihrer Tochter und Manuela Cagienard. Es fehlt die Dritte im Bund, Ronja Sakata. Mirjam Fuchs

Autos fahren im Kreisel rundherum, in der Mitte halten zwei Tramlinien und untendurch führt ein Tunnel, der zur vielbefahrenen Rosengartenstrasse führt: Das ist der Bucheggplatz in Zürich.

Ausgerechnet hier, auf einer kleinen Wiese, eingeklemmt zwischen Strasse und Tramhaltestelle, soll bald eine kleine Beiz eröffnen. Geplant sind ein paar Tische und Stühle, ein Schiffscontainer mit eingebauter Küche, Kaffee zum Mitnehmen und japanisch inspirierte Menüs.

Wir haben den Platz ins Herz geschlossen, so hässlich er auch ist.
Autor: Lena StaufferMitinitiantin «Kumo6»

Dahinter stecken drei Quartierbewohnerinnen. Sie wollen den Platz gemütlicher machen. «Wir haben den Platz ins Herz geschlossen, so hässlich er auch ist», sagt Lena Stauffer. Ihre Idee begeisterte viele andere Stadtbewohner: Über 40 000 Franken sammelten Stauffer und ihre Mitstreiterinnen, Manuela Cagienard und Ronja Sakata, via Crowdfunding für «Kumo6». So heisst die kleine Beiz.

Der Geist der 1970er Jahre

«Das können Sie vergessen», hiess es bei der Stadt, als die Frauen vor über drei Jahren zum ersten Mal anfragten. Trotzdem reichten die drei Quartierbewohnerinnen ein Konzept ein – und dann ging auch bei der Stadt etwas. Eine eigene Projektgruppe begann sich um das Anliegen zu kümmern.

Portrait ca. 45 jähriger Mann mit Brille
Legende: Ingo Golz, Co-Präsident des Quartiervereins Unterstrass und Landschaftsarchitekt. SRF

Unterstützung erhielten die Frauen vom Quartierverein Unterstrass, der sich seit 20 Jahren dafür einsetzt, dass der Bucheggplatz attraktiver wird. Dass sich auch Fussgänger und Velofahrerinnen auf dem Platz sicher und wohl fühlen, sei aber gar nicht so einfach, sagt Ingo Golz, Co-Präsident des Quartiervereins.

Auf dem Bucheggplatz geht es darum, dass viele Autos sich schnell einen Weg bahnen können.
Autor: Ingo GolzCo-Präsident Quartierverein Unterstrass

Der Bucheggplatz atme den Geist der 1970er Jahre, als die Wege von Fussgängern und Autos klar getrennt wurden, sagt Golz. Die Fussgängerüberführung, die «Spinne», erinnere heute noch daran.

Wenn Golz über den Platz spricht, hört man den Fachmann heraus, er ist Landschaftsarchitekt. Und Golz hat Verständnis dafür, dass es eine Weile dauert, bis man etwas bauen kann. Trotzdem müssten die Verfahren für Provisorien schlanker werden, findet Golz, aber «gerade auf so einem verkehrsorientierten Platz wie dem Bucheggplatz ist das schwierig.»

Verfahren beschleunigen geht nicht

Auf dem Bucheggplatz etwas zu bauen, ist nämlich verboten. Er liegt innerhalb der sogenannten Verkehrsbaulinie. Die Stadt musste darum nach einem Weg suchen, wie sie zum Beispiel die benötigten Wasser- und Stromanschlüsse bewilligen konnte. Und sie schrieb den Imbissstand öffentlich aus.

Frachtcontainer steht auf Bucheggplatz
Legende: So könnte es aussehen: Fotomontage des Imbissstandes «Kumo6». zvg

All das habe Zeit gebraucht, sagt Filippo Leutenegger. Der FDP-Stadtrat ist Vorsteher des Tiefbauamtes. Er unterstützte die Idee der drei Frauen von Anfang an. Trotz der Erfahrung vom Bucheggplatz könne man das Verfahren in Zukunft aber nicht einfach beschleunigen, sagt Leutenegger. «Man müsste die gleichen Abklärungen machen, jeder Platz ist anders.»

Die drei Frauen gewannen die Ausschreibung, die Bewilligungen sind fast alle da. Lena Stauffer und ihre Kolleginnen hoffen darum, dass «Kumo6» bald eröffnen kann. Und dass sich die kleine Wiese auf dem Bucheggplatz in eine Oase verwandelt.

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