Eine Oper ohne Plüsch und Samt

Zu einer Oper gehören ein schwerer roter Samtvorhang, ein Orchestergraben und teure Stars auf der Bühne. Die Zürcher «Free Opera Company» zeigt, dass es auch anders geht. Im Theater Rigiblick spielt sie «Don Giovanni» von Giovanni Pacini.

Don Giovanni bekämpft Commendatore auf der Bühne.

Bildlegende: Kampf im Winterkurort: Don Giovanni (rechts) bekämpft den Commendatore. zvg

Ein paar Tage vor der Premiere hat der Intendant noch alle Hände voll zu tun: Bruno Rauch ist hauptberuflich Kulturjournalist, aber bei der «Free Opera Company» ist er Intendant und Co-Regisseur. Er schleppt Requisiten an - und er hat den Don Giovanni von Pacini ausgegraben.

Die Handlung und das Personal sind bestens bekannt aus Mozarts «Don Giovanni». «Nur die Donna Elvira fehlt. Weil wahrscheinlich keine der Tanten diese Partie singen wollte», erzählt Bruno Rauch. Pacini hat seinen Don Giovanni wirklich für ein Konzert en famille komponiert.

Donna Anna im Schnee

Und vielleicht passt die Oper gerade darum sehr gut zur «Free Opera Company» und ins Theater Rigiblick. Hier fehlt so ziemlich alles, was zu einer Oper gehört. «Das ist es, was wir an diesem Projekt reizvoll finden. Wir spielen Oper an einem Ort, an dem man eine Oper nicht erwartet, und wir wollen auf jeglichen Plüsch und Samt verzichten.»

Julie Caffier singt die Donna Anna. Und sie muss sich kaum umziehen für ihren Auftritt. Sie kann die dicke Daunenjacke und die Mütze anbehalten. Denn der «Don Giovanni» im Rigiblick spielt in einem Winterkurort. Hier jagt Don Giovanni den Schneehäschen nach oder verführt sie an der Bar beim Apres-Ski.

Die Sängerinnen und Sänger teilen sich die Spielfläche mit dem Orchester, einen Orchestergraben gibt es nicht. Auch der Vorhang und die grossen Kulissen fehlen. Trotzdem findet Julie Caffier: «Mir fehlt gar nichts. Ich würde hier vielleicht nicht den grossen Verdi aufführen, aber für dieses Stück ist es wunderbar».