Eine Revolution im Recycling

Phosphor ist ein kostbarer Rohstoff. Nun ist es der vom Kanton Zürich mitgegründeten Stiftung ZAR erstmals gelungen, im Labor Phosphorsäure aus Klärschlammasche zu gewinnen. Das ist bislang noch niemandem gelungen. Und könnte auch kommerziell interessant sein.

Die graue Fassade der Anlage Werdhölzli in Zürich.

Bildlegende: In der Anlage Werdhölzli entsteht aus Klärschlamm Asche, die wertvollen Phosphor enthält. zvg (ERZ)

Abfälle sind Rohstoffe. Daher setzt sich der Kanton Zürich als Pionier im sogenannten «Urban Mining» konsequent für die Rückgewinnung von Wertstoffen aus den Hinterlassenschaften unserer Gesellschaft ein, wie der Regierungsrat in einer Mitteilung vom Donnerstag schreibt.

Heute landet der kostbare Rohstoff Phosphor im Abfall. Weil Klärschlamm aus Abwasserreinigungsanlagen zu viele Schadstoffe enthält, darf er seit 2006 nicht mehr als Dünger auf die Felder ausgebracht werden. Der im Klärschlamm enthaltene Phosphor gelangt damit nicht mehr in den natürlichen Stoffkreislauf.

Kanton Zürich als Rohstoffmine

Ziel sei es, ein Verfahren zu entwickeln, das den Phosphor umweltschonend der Klärschlammasche entzieht, damit er als Rohstoff und Handelsware zur Verfügung steht, schreibt der Regierungsrat in seiner Mitteilung.
So soll der natürliche Kreislauf wieder geschlossen und die Schweiz langfristig unabhängig von Phosphorimporten werden. Pro Jahr fällt schweizweit im Klärschlamm etwa die gleiche Menge an Phosphor an, wie mit Mineraldünger importiert wird.

Durchbruch in der Forschung

Als wichtiger Schritt wird seit dem vergangenen Sommer der gesamte Klärschlamm des Kantons Zürich thermisch verwertet. Die dabei produzierte Klärschlammasche wird zurzeit noch auf einer Deponie gelagert. Früher wurde der Klärschlamm in Kehrichtverwertungsanlagen oder Zementwerken verbrannt. Der Phosphor ging dadurch verloren.

«  Es wird weltweit experimentiert. Aber was wir geschafft haben, ist bisher noch keinem gelungen. »

Franz Adam
Abteilungsleiter Abfallwirtschaft und Betriebe beim Kanton Zürich

Ein Mann mischt in einem Forschungslabor zwei schwarze Flüssigkeiten zusammen.

Bildlegende: Im Labor der Firma Técnicas Reunidas in der Nähe von Madrid tüfteln Forscher am Verfahren. zvg (TR)

Der vom Kanton mitgegründeten Stiftung «Zentrum für nachhaltige Abfall- und Ressourcennutzung» (ZAR) in Hinwil und Zuchwil ist es gemeinsam mit dem spanischen Technologiepartner Técnicas Reunidas SA erstmals gelungen, im Labor Phosphorsäure aus Klärschlammasche zu gewinnen.

Kostenbeteiligung des Kantons

Nun soll die technische Machbarkeit des Verfahrens in einer Pilotanlage geprüft werden. Der Kanton unterstützt dies mit einer Anschubfinanzierung in Höhe von zwei Millionen Franken. Das sind rund sechzig Prozent der Kosten.

Im Gegenzug erhält der Kanton freien Zugang zu den Erkenntnissen der weiteren Entwicklungsarbeiten und hat Anrecht auf eine Gratislizenz, falls das Verfahren patentiert wird.