Erinnerungen an alte Zeiten zum Leben erwecken

Alte Menschen haben viel zu erzählen. Oder sie hätten es. Wenn sie nicht einsam wären, wenn ihnen das Sprechen nicht so schwer fallen würde. Das Zeitschriften-Projekt «Geschichten erzählen» im Zürcher Alterszentrum Laubegg will das ändern.

Die alten Leute sollen ihre Sprache wieder finden. Sie sollen von sich erzählen, miteinander über alte und neue Geschichten reden. Und aus diesen Geschichten entsteht dann alle zwei Monate eine Zeitschrift, damit alle davon erfahren. Das ist die Idee des Alterszentrums Laubegg am Fusse des Uetlibergs.

Im Gespräch zwischen den zehn Altersheimbewohnerinnen und -bewohnern entstehen zum Beispiel Geschichten über frühere Lieblingsessen: «Ich liebe Glarner Schabziger», erklärt zum Beispiel eine Bewohnerin: «Je mehr dass er stinkt, desto lieber habe ich ihn.» Oder verhasste Speisen: «Schnecken», lautet die klare Antwort eines Mannes. Die anderen in der Erzählrunde stellen Fragen, helfen weiter, ergänzen mit eigenen Erinnerungen. Ob die Runde offen sei, um auch mal kulinarisch etwas Neues zu wagen. Antwort eines Bewohners: «Ich schon, mein Magen weniger.»

Geschichten gegen die Einsamkeit

Sie achte darauf, nicht nur diejenigen zu Wort kommen zu lassen, die ohnehin gesprächig und gesellig sind, sagt Projektleiterin Carolyn Kerchof: «Wenn ich sehe, dass jemand alleine im Zimmer sitzt oder alleine spazieren geht, dann lade ich sie zur Erzählrunde ein.»

Auch schwierige Geschichten kommen vielleicht zum ersten Mal zur Sprache - und schliesslich zu Papier. Zum Beispiel die Lebensgeschichte von Elisa Vetsch, die als Kind bei Pflegeeltern aufgewachsen ist und ihre Mutter für eine Tante hielt.

(marn/frip; Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 12.03 Uhr)