«Es geht nicht nur um ein paar Deutschstunden für die Kinder»

Vier Jahre lang betreute Andrea Lanfranchi, Forschungsleiter an der Zürcher Hochschule für Heilpädagogik, ein Projekt zur Frühförderung von Kindern aus benachteiligten Familien. Trotz Erfolgen wird das Projekt aus Geldgründen nun nicht weitergeführt. Lanfranchi kann den Entscheid nicht verstehen.

Die Idee des Forschungsprojekts «Zeppelin» war es, Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen schon von Geburt an zu fördern. So sollten sie nicht bereits beim Start im Kindergarten ins Hintertreffen geraten. Das Projekt habe Wirkung gezeigt, sagt Andrea Lanfranchi, Leiter Forschung und Entwicklung an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik HFH in Zürich: Die Sprache der Kinder sei besser, die Eltern seien besser vernetzt.

Folgekosten nicht vergessen

Dass der Kanton Zürich das Projekt wegen der Kosten von rund sechs Millionen Franken im Jahr nun trotzdem einstellen will, bedauert Andrea Lanfranchi als «Regionaljournal»-Wochengast sehr: «Ein Kind in unserem Programm rund 20'000 Franken in drei Jahren. Stellen Sie sich vor, was man einsparen kann, wenn man nur ein einziges Kind später nicht in ein Heim schicken muss oder in eine Sonderschule!»

Lanfranchi hofft nun auf die Politik. Im Zürcher Kantonsparlament sind zwei Vorstösse hängig, dass der Kanton Zürich eine solche Frühförderung betreiben soll. «Ich bin sicher, dass die Politiker in den nächsten Jahren merken werden, welch immense Beträge Heilpädagogik und Sonderpädagogik kosten. Dann wird der Prävention mehr Bedeutung zukommen», sagt Andrea Lanfranchi.