Fall «Carlos» hat ein politisches Nachspiel

Der Bericht der Zürcher Justizdirektion zum Fall «Carlos» reicht nicht aus. Die Justizkommission des Kantonsparlaments möchte weitere Fragen geklärt haben.

Der als «Carlos» bekannt gewordene Jugendliche Straftäter beim Thaibox-Training

Bildlegende: Das Thaiboxen als eine der Therapiemassnahmen für «Carlos» war eines der umstrittenen Punkte der Sonderbehandlung. SRF

Der Zürcher Justizdirektor Martin Graf (Grüne) hat am Freitag Fehler zugegeben, die bei der Sonderbetreuung eines jugendlichen Straftäters, genannt «Carlos», gemacht wurden. Mit dem Bericht des Justizdirektors wurden auch Massnahmen angekündigt, damit künftig solch teure Sondersettings verhindert werden können. Doch das genügt den Mitgliedern der Justizkommission des Zürcher Kantonsrats nicht. An einer Sitzung am Dienstag bestellten sie deshalb einen weiteren Bericht zum vorliegenden Fall.

Kommissionspräsident Hans Läubli (Grüne) wollte auf Anfrage des «Regionaljournal Zürich Schaffhausen» von Radio SRF keine Angaben zum Inhalt der offenen Fragen machen. Es gebe aber noch einige Details, welche die Kommission genauer abgeklärt haben möchte, so Läubli. Bis Ende November hat die Justizdirektion Zeit, die Fragen der Kommission zu beantworten. Danach wird das Parlament entscheiden, ob der Fall «Carlos» weiter untersucht werden soll.

SVP hält an ihrer Forderung einer PUK fest

Keine grossen Hoffnungen macht sich die SVP. Die Justizkommission sei befangen, weil sie von einem Parteikollegen des zuständigen Regierungsrats Graf präsidiert werde, glaubt SVP-Fraktionspräsident Jürg Trachsel. Der Kommissionspräsident Hans Läubli bestreitet dies. Trotzdem hält die SVP daran fest, dass eine Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) den Umgang mit jugendlichen Straftätern im Kanton Zürich untersuchen soll.