Fall Céline: «Ein Restrisko bleibt»

Der Bundesgerichtsentscheid zum Fall Céline hat keine Auswirkungen auf die Arbeit der Ärztinnen und Ärzte. Sie hätten ihre Verantwortung schon zuvor wahrgenommen, sagt Josef Widler, der neue Präsident der Zürcher Ärztegesellschaft.

Das Bundesgericht wies die Anzeige von Célins Familie ab. Der Pharmamulti Bayer sei nicht verantwortlich für die schwere Behinderung, an der Céline aufgrund der Pille leidet. Gleichzeitig betonte das Gericht, es sei Sache der Ärzte, die jungen Frauen auf die Risiken aufmerksam zu machen.

Ärzte müssten aber nicht mehr Verantwortung übernehmen, sagte Josef Widler als Regionaljournal-Wochengast. «Sie haben diese Verantwortung schon zuvor getragen.» Ganz vermeiden liessen sich solche Fälle jedoch nicht. «Wir müssen mit einem Restrisko leben.»

Alter des Arztes nicht entscheidend

Kritisch äusserte sich Widler zum Fall des 78-jährigen Chirurgen, der bei einer Brust-OP offenbar schwere Fehler beging. Diese Fehler nur auf das hohe Alter des Arztes zurückzuführen, sei jedoch falsch. «Es gibt 80-jährige Ärzte, die immer noch gute Arbeit leisten und es gibt solche, die schon mit 60 Jahren ungenügende Leistungen bringen», meinte Widler. Die Ärztegesellschaft warte nun ab, was die Untersuchung gegen den Arzt für Resultate bringe. Von sich aus werde die Gesellschaft vorerst nicht aktiv.

Neuer Notfalldienst der Hausärzte

Zudem kündigte Widler einen neuen, kantonalen Notfalldienst der Hausärzte an. Bis in zwei Jahren soll das neue Konzept realisiert werden. Patientinnen und Patienten sollen dann im ganzen Kanton über eine einheitliche Telefonnummer einen Arzt zu sich nach Hause bestellen können.

(kerf; Regionaljournal Zürich Schaffhausen)