Freundschaft geht durch den Magen

Die Idee ist simpel - und sie funktioniert: Seit einem Jahr vermittelt die Zürcher Aktion «Gemeinsam Znacht» Abendessen, an denen Schweizer Gastgeber Flüchtlinge aus aller Welt einladen. Zurzeit wird die Projektleiterin mit Anfragen regelrecht überschwemmt.

Vier Menschen stehen vor einem grünen Busch.

Bildlegende: Gute Erfahrungen (v.l.): Gastgeberin Regula Züger, Gäste Helen Mahari und Mohammed Almada, Initiantin Martina Schmitz. SRF

Schon über 400 stehen auf der Warteliste. «Während wir hier miteinander reden, kommen sicher wieder einige mehr dazu», sagt Martina Schmitz gegenüber Radio SRF. Die Erfinderin der Zürcher Aktion «Gemeinsam Znacht» und ihre freiwilligen Helferinnen und Helfer kommen kaum nach mit Vermitteln: «Wir sind am Anschlag.»

Martina Schmitz bittet deshalb die potenziellen Gastgeber um Geduld. Sie freue sich aber gleichwohl über die riesige Anteilnahme und jeden neuen Kontakt, betont sie. Die potenziellen Gäste sucht sie in den Asylunterkünften. Ziel: Die Flüchtlinge sollen sich willkommen fühlen, Schweizer kennenlernen und die Möglichkeit erhalten, Deutsch zu üben. «Es gibt kein besseres Mittel zur Integration als ein gemeinsames Essen», findet die Projektleiterin.

Die meisten Treffen würden positiv verlaufen, bilanziert sie. Man gebe sich aber auch Mühe beim Vermitteln, wähle Gäste und Gastgeber sorgfältig aus. «So ein Treffen ist ja schliesslich eine sehr persönliche Sache.» Es könne aber auch mal etwas schiefgehen. Etwa, wenn es ein Missverständnis gebe beim Termin.

Aus Eritrea geflohen

Die 23-jährige Helen Mahari und der 47-jährige Mohammed Almada – beide sind Flüchtlinge aus Eritrea – erinnern sich gerne an den Znacht zurück. «Meine Schweizer Gastfamilie ist eine zweite Familie für mich geworden», sagt Almada. Der dreifache Vater hat in Eritrea als freier Journalist gearbeitet – unter der herrschenden Diktatur ein lebensgefährliches Unterfangen. Und Helen Mahari floh tagelang zu Fuss durch die Wüste, weil sie in ihrer Heimat keine Perspektiven sah. Es gebe kaum Alternativen zu einem teilweise lebenslangen Militärdienst. Beide wollen nun in der Schweiz intensiv Deutsch lernen und möglichst bald arbeiten – solange, bis sich die Situation in ihrer Heimat entspannt.