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Zürich Schaffhausen Führung versagt: Kantonsrat kritisiert die Universität Zürich

Der gute Ruf der Universität Zürich stehe wegen der Affäre Mörgeli auf dem Spiel. Zürcher Politiker von links bis rechts fordern wahlweise, dass die Uni, die zuständige Regierungsrätin oder der Kantonsrat handeln müsse. Derweil protestieren Professoren aus dem In– und Ausland gegen die Kündigung.

Uni-Rektor Andreas Fischer mit erhobenen Händen.
Legende: Uni-Rektor Andreas Fischer habe versagt, finden die Zürcher Kantonsparlamentarier. Keystone

Letzte Woche entliess die Universität Zürich eine Professorin, weil sie den Medien geheime Informationen zu Medizinhistoriker und SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli zugespielt haben soll. Am Wochenende solidarisierten sich nun über 200 Professorinnen und Professoren mit der entlassenen Kollegin.

Die negativen Schlagzeilen über die Universität Zürich (UZH) und die Affäre Mörgeli reissen also nicht ab – und sorgten am Montag im Kantonsrat für heftige Kritik.

Legende: Video «Uni-Leitung wirkt blockiert» abspielen. Laufzeit 1:42 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 04.11.2013.

Die Universität sei führungslos, kritisierte etwa die SVP in ihrer Fraktionserklärung. Niemand wisse, was Sache sei. Und auch CVP-Fraktionschef Philipp Kutter sagte auf Anfrage des «Regionaljournal Zürich Schaffhausen»: «Das Rektorat macht nicht gerade einen führungsstarken Eindruck.»

Handeln angesagt

FDP, CVP und SP befürchteten, dass das Image der Universität auf dem Spiel stehe. «Die Uni-Leitung muss nun wirklich dafür zu sorgen, dass der Ruf keinen weiteren Schaden nimmt», forderte Raphael Golta (SP).

Während die SP also den Rektor der Universität, Andreas Fischer, in die Pflicht nehmen will, fordert die SVP Regierungsrätin Regine Aeppli zum Handeln auf. Und FDP-Fraktionschef Thomas Vogel meint: «Jetzt ist für den Kantonsrat der Zeitpunkt gekommen, sich einzuschalten.»

Konkrete Folgen hat die Kritik der Kantonsrätinnen und Kantonsräte am Montag noch keine. Sollte die Universität aber keine Klarheit schaffen, könnte der Kantonsrat als Aufsichtsgremium das Heft in die Hand nehmen. Regierungsrätin Regine Aeppli war im Rat zwar anwesend, wollte sich aber nicht äussern.

Protest von Professoren

Am Wochenende wurde bekannt, dass 400 Wissenschafter, darunter viele Professoren in einem öffentlichen Protestbrief an die UZH gegen die Entlassung protestieren.

Einer der Initianten des Protests, ETH-Professor Philip Ursprung sagt gegenüber «Schweiz aktuell»: «Ich hätte nicht damit gerechnet, dass wir so viele Reaktionen erhalten». Er hoffe, dass die Kündigung von Iris Ritzmann rückgängig gemacht wird, damit sie wieder wissenschaftlich arbeiten könne und ihr Ruf rehabilitiert sei. «Wir erwarten, dass die UZH untersucht, was am Medizinhistorischen Institut schiefgelaufen ist und die Öffentlichkeit informiert». Ritzmann sei eine hervorragende Wissenschaftlerin, welche aus nicht nachvollziehbarem Grund auf die Strasse gestellt worden sei.

Die entlassene Professorin Iris Ritzmann äussert sich in «Schweiz aktuell» erneut zu ihrer Entlassung: «Ich fühle mich als Figur auf dem Schachbrett, die jetzt geopfert wird, ohne dass sie es verdient hat». Sie wolle nun gegen die Kündigung rekurrieren. «Ich hoffe, dass sich die Uni Zürich besinnt, die Sache nochmals überdenkt und ganz genau abklärt, wie es so weit gekommen ist.» Sie habe sich jahrelang für das Institut eingesetzt. Jetzt werde sie wegen einer Bagatellsache herauskatapultiert.

Die Solidaritätsaktion kommentiert Ritzmann wie folgt: «Es geht vermutlich darum, dass transparent gemacht werden soll, dass hier ein Exempel statuiert wird.» Die Aktion vermutet nach der Entlassung von Ritzmann einen politischen Hintergrund, dass nämlich die UZH Schaden abwenden wolle. «Dieser steht aber nicht im Verhältnis zu ihrer Aufgabe, nämlich die Wissenschaft zu fördern», so Ritzmann weiter. Die Universität Zürich wollte heute gegenüber SRF keine Stellung nehmen.

Die Beschlüsse des Kantonsrats

Das Parlament hat

  • definitiv Ja gesagt zu einem Doppeldiplom Kindergarten/Unterstufe an der Pädagogischen Hochschule Zürich.
  • ein Postulat der FDP überwiesen, welches
    vom Regierungsrat einen Bericht zur Arbeit der Koordinationsgruppe
    Jugendgewalt fordert.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von B. Nara, tone
    Die sollten doch lieber alles so sein lassen wie es war. Ich wollte mir doch auch noch einen Dr. Titel holen, damit ich später mehr als 1:12 verdienen kann.
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    1. Antwort von Fridolin Meier, Oberlunkhofen
      Wurde auch langsam Zeit, dass dieser linke Laden ausgemistet wird. Der Fisch fängt immer am Kopf an zu stinken; wenn solche politisch motivierten Intrigen nicht unterdrückt werden können, muss halt auch die Chef-Etage gelichtet werden.
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  • Kommentar von M. Müller, Zürich
    Nur noch peinlich auf welchem Niveau unsere "Vorzeige-Akademiker-Professoren" sich fast täglich seit Monaten outen!!
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  • Kommentar von Rolf Bolliger, Orpund
    Es braucht schon eine gehörige Portion Mut, einen "unbeliebten Mitarbeiter" (wegen seiner "nicht linken" politischen Ideologie), via Presse zu verunglimpfen, geheime Dokumente in die Hände von SVP-hassenden Journalisten zu spielen und dann die Folgen (Kündigung) nicht zu akzeptieren! Dass nun die 200 linksgerichteten (mit Steuergelder gut bezahlten Professoren(innen) ) mit ihrer Unterstützung bei den Medien auf offene Ohren stossen, war vorauszusehen! Gut, dass Mörgeli dazu völlig schweigt!
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    1. Antwort von H. Frühling, Bern / Zürch
      Sehr geehrter Herr Bolliger. Sie wissen Dinge - oder geben es vor - die es gar nicht gibt. Lesen bildet, und wer lesen kann, ist deutlich im Vorteil. Wer nicht lesen will - genau wie Sie es hier tun - kann nur an einem unzulässigen Blickwinkel leiden. Warum lesen Sie eigentlich SRF, die Weltwoche schreibt doch in Ihrem Sinne (linkshassende SVPler)
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    2. Antwort von Rolf Bolliger, Orpund
      Ja, geehrtes Anonym "H.Frühling aus Bern und Zürich", was man nicht hören und lesen will, wird in Ihren Kreisen immer wieder mit persönlichen Attacken und Verunglimpfungen beantwortet. Wer Gewerkschafts- und SP-Zeitungen, "Weltwoche" oder "Schweizerzeit" liest, kennt die ganze "Mörgeli"-Geschichte sehr gut. Diese Breitfächerigkeit bleibt in Ihrer einseitigen Ideologie offensichtlich "auf der Strecke"! Lieber andere Schreiber (und Parteien!) verunglimpfen, scheint Ihnen besser zu gelingen!
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