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Geld erhalten ohne Arbeit Rheinau will bedingungsloses Grundeinkommen testen

2500 Franken soll jeder Bewohner erhalten, der beim Versuch mitmacht. Die Idee kommt in der Zürcher Gemeinde gut an.

Legende: Video Gemeinde will bedingungsloses Grundeinkommen testen abspielen. Laufzeit 03:22 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 06.06.2018.

Es klingt fast zu gut, um wahr zu sein: Jeder Bewohner, jede Bewohnerin der Zürcher Gemeinde Rheinau soll monatlich 2500 Franken erhalten. Wer trotzdem arbeiten geht und mehr als diese 2500 Franken verdient, muss die Differenz Ende Monat zurück zahlen.

So funktioniert der Versuch

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So funktioniert der Versuch
Legende:Keystone

Jede Person, die bereits heute in Rheinau lebt und sich für den Versuch anmeldet, erhält ein sogenanntes Grundeinkommen.

Die Beträge setzen sich wie folgt zusammen:

  • Ewachsene (ab 25-jährig): 2500 Franken/Monat
  • Erwachsene (22- bis 24-jährig): 1875 Franken/Monat
  • Junge Erwachsene (18- bis 21-jährig): 1250 Franken/Monat
  • Kinder bis 18-jährig: 625 Franken/Monat

Das Grundeinkommen steht den Personen vollumfänglich zur Verfügung, wenn er oder sie keinerlei Einkünfte hat.

Wer Einkünfte von bis zu 2500 Franken hat, sei es aus Einkommen, AHV oder Sozialleistungen, muss die Differenz zum Betrag des Grundeinkommens zurückzahlen.

Wer Einkünfte erzielt, welche über dem Grundeinkommen liegen, zahlt das Grundeinkommen wieder ganz zurück.

Wer das Geld nicht zurück gibt, wird ausgeschlossen.

Der Versuch dauert ein Jahr (Januar bis Dezember 2019).

«Wir wollen herausfinden, wie sich die Leute verhalten, wenn sie einfach so Geld kriegen», sagt Filmemacherin Rebecca Panian. Sie steht, gemeinsam mit Ökonom Jens Martignoni und Grundeinkommens-Experte Ralph Moser, hinter dem Projekt. «Wie gehen sie mit den Freiheiten um? Werden sie faul oder leisten sie mehr Freiwilligenarbeit?»

Rheinau ist für uns eine absolute Traumgemeinde.
Autor: Rebecca PanianInitiantin des Grundeinkommensversuchs

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, suchte Rebecca Panian Gemeinden, die Lust hatten, am Experiment mitzumachen. Über 100 Gemeinden in der ganzen Schweiz haben sich gemeldet, Rheinau (ZH) wurde ausgewählt. «Rheinau ist zahlenmässig praktisch eine Mini-Schweiz», begründet Rebecca Panian ihre Wahl.

Wir hoffen, dass mit diesem konkreten Projekt die Politik fassbar wird.
Autor: Andreas JenniGemeindepräsident von Rheinau

Doch weshalb macht Rheinau mit, obwohl die Gemeinde ein bedingungsloses Grundeinkommen bei der nationalen Abstimmung vor zwei Jahren mit 72 Prozent verworfen hat? «Wir wollen die Politik fassbar machen, ein grosses Politthema runterbrechen und in den Alltag der Leute verlegen», sagt Gemeindepräsident Andreas Jenni. Zudem hofft er auf spannende Diskussionen.

Ich bin begeistert – und zuversichtlich, dass das Experiment klappt.
Autor: Margrith ImthurnEinwohnerin von Rheinau

Diese gab es bereits am Dienstagabend, nachdem die Gemeinde ihren Bewohnerinnen und Bewohnern die Idee vorstellte. Der Grundtenor war positiv, die Rheinauerinnen und Rheinauer zeigten sich offen für das Experiment. Und bereits wurde diskutiert: Wird die Gesellschaft so gerechter?

Ob der Versuch starten kann, entscheiden die Rheinauer selbst. Rund die Hälfte der 1300 Bewohnerinnen müssen mitmachen, um den Versuch zu ermöglichen. Das Geld soll von einer Stiftung und einer Crowdfunding-Aktion stammen.

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68 Kommentare

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  • Kommentar von Erich Singer (liliput)
    Also ich verstehe diese Aufregung nicht. Lasst jetzt doch Rheinau diesen Versuch einfach mal wagen. Wie es dann herauskommt erden wir dann sehen. und die Erfahrungen daraus werden neue Erkenntnisse und Denkweisen ermöglichen. Einfach zum Vornherein alles negativ zu reden hilft nicht weiter. Das Thema Grundeinkommen wird uns danach sowieso noch lange weiter beschäftigen; so oder so!
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  • Kommentar von Achim Frill (Afri)
    Zitat Konrad Adenauer: "Alles, was die Sozialisten vom Geld verstehen, ist die Tatsache, dass sie es von anderen haben wollen."
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    1. Antwort von Stefan von Känel (Trottel der feinen Gesellschaft)
      Die Welt hat sich seit Adenauer doch ein klein wenig verändert. Wer diese Problematik nach Rechts und Links einteilt, hat nicht begriffen, dass die Zivilgesellschaft der Zukunft auf dem Spiel steht.
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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Das PIB der CH ist rund 700Mia Fr. Das BG-Einkommen von 3000Fr. steuerfrei für jeden Einkommenslosen Bürger über 18 Jahre auch 2.2Mio AHV- Rentner mit eingeschlossen , würde den Steuerzahler jährlich max.75 Mia Fr. kosten, wovon ca.25Mia mindest wieder an den Staat über den Konsum zurückfliessen. Die restlichen 50Mia ist über eine Kapitalgewinnsteuer der Oberreichen ein zu fordern. Es soll mir keiner kommen man könne das nicht finanzieren.Wer zum BG dazuverdient hat die gesamte Summe zu verst.
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    1. Antwort von Stefan Huwiler (huwist)
      75'000'000'000.- / (3000.- x 12) = 2'083'000 Personen.... Was genau sind ihre Pläne für die übrigen CH-Einwohner?
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    2. Antwort von M. Kaiser (Klarsicht)
      Danke für ihre Frage- ich spreche von den AHV-Rentnern und die Bürger die kein Einkommen haben. Damit wir anfänglich die Ärmsten, ohne Sozialhilfe und Bürokratie, auch am BIP teilhaben lassen, in einem weitern Schritt können wir Einkommen unter 3000 Fr mit berücksichtigen die dann die gesamte Einkommenssumme zu versteuern haben. Dieser gestufte Vorgang ist Heute schon von jedem Industriestaat zu bewältigen. Wenn es die Schweiz nicht macht -werden Ärmere Staaten das vormachen.
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