Geplanter Spurabbau am Zürcher Central nimmt wichtige Hürde

Das Bundesverwaltungsgericht hat eine Beschwerde der Automobilverbände TCS und ACS abgewiesen. Sie wehrten sich gegen einen von der Stadt geplanten Abbau einer Autospur.

Eine Fussgängerin überquert am Zürcher Central den Zebrastreifen.

Bildlegende: Bald nur noch eine Autospur am Central? Das Bundesverwaltungsgericht lehnt eine Beschwerde der Automobilverbände ab. Keystone (Archiv)

Die Autoverbände TCS und ACS befürchten, dass der Abbau einer Auto-Spur zu massiven Verkehrsbehinderungen rund ums Central und auf der Bahnhofbrücke führen könnte. Die Stadt Zürich argumentiert, der Spurabbau sei notwendig, um die Tram-Perrons verlängern zu können.

Das Bundesverwaltungsgericht liess die Autoverbände abblitzen, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Urteil hervorgeht. Das Gericht kommt zum Schluss, dass es keine triftigen Gründe gebe, dem projektierten Spurabbau die Genehmigung zu verweigern. Die Beschwerde erweise sich als unbegründet und sei deshalb abzuweisen.

Richter sahen sich die Kreuzung an

Der Abbau werde den Verkehr am Central und auf der Bahnhofbrücke «mutmasslich nicht oder kaum» beeinträchtigen. Es sei vielmehr zu erwarten, dass die Verkehrslage am Central durch den Spurabbau übersichtlicher und damit sicherer werde.

Die Richter kamen für ihr Urteil extra von St. Gallen nach Zürich und nahmen einen Augenschein vor Ort. Dabei erkannten sie im geplanten Spurabbau gar «klare Vorteile» gegenüber der heutigen Verkehrsführung.

Mit den Bauarbeiten beginnen kann die Stadt Zürich damit aber nicht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Verbände ACS und TCS können den Entscheid innert 30 Tagen ans Bundesgericht weiterziehen. Beide haben noch nicht entschieden, ob sie dies tun wollen. Stefan Holenstein, Generaldirektor des ACS, sagte dem «Regionaljournal Zürich Schaffhausen»: «Wir werden die Situation jetzt genau anschauen und nach einer genauen Analyse entscheiden, wie wir vorgehen.»

Das Central sei «ein Engpass par excellence», so Holenstein. Ein Spurabbau auf Kosten der Autofahrer führe zu einem Chaos.

Zeitplan über den Haufen geworfen

Bei den geplanten Umbauarbeiten sollen die Haltestellen vergrössert werden, damit die neuen, längeren Trams daran halten können. Zudem werden sie behindertengerecht gestaltet und erhalten längere Wartedächer. 17 Millionen Franken soll der Umbau kosten.

Ursprünglich hätten die Bauarbeiten bereits im Juni diesen Jahres beginnen sollen. Im Oktober wäre das «neue» Central dann fertig gewesen. Der Rechtsstreit hat diesen Zeitplan aber längst über den Haufen geworfen. Stefan Hackh, Leiter Kommunikation beim Tiefbauamt der Stadt Zürich, zum neuen Zeitplan: «Wenn die Rekursfrist ungenutzt verstreicht, könnten wir das Projekt frühesten 2017 umsetzen.»

Zunächst müsse jetzt aber abgewartet werden, ob die Automobilverbände das Urteil ans Bundesgericht weiterziehen.

Ein Problem haben damit vor allem die VBZ: Gleichzeitig mit dem Umbau der Kreuzung wollten sie eigentlich die abgenutzten Tramgleise austauschen. Nun können sie mit diesen Arbeiten bis auf Weiteres nicht starten. Mit den heutigen Gleisen werde man aber nicht mehr durch den nächsten Winter kommen, hiess es bei den VBZ auf Anfrage.

Notreparatur der Tramgleise

Noch in diesem August werden die Gleise deshalb notfallmässig repariert. Beim geplanten Totalumbau, der je nach Szenario vielleicht erst 2017 stattfinden wird, müssen die geflickten Gleise dann aber trotzdem ersetzt werden.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein geplanter Spurabbau in der Stadt Zürich Anwälte beschäftigt. Auch gegen den Spurabbau beim Bellevue gingen Beschwerden ein – er kam dennoch zustande.

Die Bauarbeiten für den Spurabbau werden nach den Sommerferien in Angriff genommen. Ab Mitte oder Ende November, wenn auch der Umbau des Bellevues fertig ist, wird es dann nur noch eine Spur geben, um beim Sechseläutenplatz nach rechts abzubiegen.