Geplantes Asylzentrum stösst auf Kritik

Die Stadt Zürich wird zum Testgelände: Auf dem Duttweiler-Areal in Zürich-West soll eine Siedlung für rund 500 Asylsuchende entstehen. Der Bund will im neuen Zentrum schnellere Asyl-Verfahren testen. Mitte-links reagiert positiv, die Bürgerlichen ablehnend. Der Betrieb soll in einem Jahr starten.

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Asylzentrum für 500 Personen

3:52 min, aus Schweiz aktuell vom 1.2.2013

Das Bundesamt für Migration (BFM) will das Duttweiler-Areal in Zürich-West für 15 Jahre mieten. Die Stadt Zürich hat das Gelände angeboten. Mario Gattiker, der Direktor des Bundesamtes für Migration: «Wir sind sehr erfreut, dass nun dieser Platz in Zürich zur Verfügung steht.» Im geplanten Bundeszentrum sollen Asylverfahren im Idealfall innert 100 Tagen abgewickelt werden können.

Das Konzept, das zum ersten Mal getestet werden soll, sieht vor, dass alle Beteiligten am selben Ort sind – also Asylsuchende, Behörden, Rechtsvertreter und Fachleute.

Gegen das Schwarzpeter-Spiel in der Asylpolitik

Zürich biete Hand für das Experiment, um damit auch ein Zeichen zu setzen, sagt Stadtrat Martin Waser: «Wir sind offen und wir sind neugierig. Wir sehen einfach, dass die ganze Asylsituation unbefriedigend ist.» Die Stadt verspricht sich aber auch Vorteile. Die 500 Asylsuchenden, die im neuen Bundeszentrum untergebracht werden sollen, werden an das Kontingent angerechnet. Zürich muss also auch in Zukunft nicht mehr als 1900 Asylsuchende aufnehmen. Zudem übernimmt der Bund die Kosten für die Sicherheit. Weil viele Abklärungen nötig sind, sollen sich die Asylsuchenden mehrheitlich im Zentrum aufhalten. Martin Waser:

« Wir gehen davon aus, dass sich weniger Asylsuchende in der Stadt aufhalten als heute. »

Zürich rechnet mit finanziellen Vorteilen, auch, weil sie für weniger Asylsuchende Wohnraum beschaffen muss. Thomas Kunz von der Asylorganisation (AOZ): «Wenn 500 Menschen so kompakt untergebracht werden können, ist das ein enormer Gewinn.» 

Die Containersiedlung in Zürich-West soll bereits in einem Jahr erstellt sein. Gebaut wird sie von der Stadt im Auftrag des Bundes. Doch der Zeitplan ist ehrgeizig, denn es sind noch verschiedene Hürden zu nehmen. Auf Bundesebene muss das Geld dafür noch gesprochen werden. Und die Baubewilligung kann angefochten werden. 

Reaktionen: erfreut bis entsetzt

Nicht äussern wollen sich die Verantwortlichen der Zürcher Hochschule der Künste (ZHDK), die sich demnächst unmittelbar neben dem geplanten Zentrum auf dem Toni-Areal befinden wird. Harsche Kritik kommt aus dem Quartier. Quartiervereinspräsident Helmuth Werner: «Ein Asylzentrum mit 500 Menschen an einem Ort gehört nicht mitten in die Stadt, das ist verantwortungslos.» Bei den politischen Parteien gehen die Meinungen auseinander. SP und Grüne unterstützen die Pläne. Sie begrüssen, dass für die Stadt keine Kosten entstehen. Andrea Sprecher von der SP: «Das ist alles in allem eine Win-Win-Situation.» Die SVP ist nicht grundsätzlich gegen grosse Zentren. Mauro Tuena: «Wir sind aber dagegen, dass solche Zentren an einem so attraktiven Ort gebaut werden. Die gehören nicht mitten in die Stadt Zürich.»