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Gewerkschaft interveniert Lohndumping-Vorwürfe auf Baustelle des Unispitals Zürich

Legende: Video Lohndumping-Vorwürfe auf Spital-Baustelle abspielen. Laufzeit 09:00 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 01.12.2017.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Auf einer Baustelle des Universitätsspitals Zürich soll ein polnisches Bauunternehmen unterbezahlte polnische Arbeiter eingesetzt haben.
  • Die Baudirektion des Kantons Zürich liess die Firma trotz der Vorwürfe weiterarbeiten.
  • Die Stadt Zürich hat die gleiche Firma von einer anderen Baustelle gewiesen.

Das Gebiet um das Universitätsspital Zürich ist eine Grossbaustelle. In den nächsten Jahrzehnten baut der Kanton Zürich aus – allein die Spitalbauten sollen rund drei Milliarden Franken kosten.

Beim Bau der neuen Technikzentrale Süd soll es zu einem Fall von Lohndumping gekommen sein. Vier Arbeiter aus Polen kamen letztes Jahr im Auftrag der polnischen Raga GmbH auf die Baustelle. Raga ist ein Sub-Unternehmen der Innerschweizer Gebäudetechnikfirma Schmid Amrhein AG. Diese hatte den Zuschlag für einen Millionen-Auftrag auf der Baustelle bekommen.

Gerade mal 14,50 Euro pro Stunde

«Mit den vier Männern wurde in Polen abgemacht, dass sie auf der Baustelle 14,50 Euro pro Stunde bekommen. Das ist die Hälfte von dem, was sie bekommen sollten», sagt Christa Suter von der Gewerkschaft Unia Zürich-Schaffhausen. «Gleichzeitig wurden den Behörden Verträge mit den korrekten Schweizer Löhnen vorgelegt.»

Die vier Bauarbeiter sagen, die Raga GmbH schulde ihnen mehr als 100'000 Franken. «Ich hatte grosse Hoffnungen, als ich in die Schweiz kam. Ich konnte mir aber nicht vorstellen, dass es hier Platz gibt für so verbrecherische Firmen aus Polen. Ich musste aber erfahren: Es ist doch möglich», erklärt der Schweisser Zbigniew Klus.

Kanton nimmt Stellung

«Schweiz aktuell» fragte bei der Baudirektion des Kantons Zürich nach. Die Kommunikationsstelle sagt dazu: «Die Baudirektion duldet kein Lohndumping auf ihren Baustellen.» Nachdem der Kanton über die Vorwürfe informiert worden sei, habe er die nötigen Massnahmen eingeleitet.

«Wir haben das Amt für Wirtschaft und Arbeit einbezogen und es wurde die zuständige paritätische Kommission Gebäudetechnik über die Angelegenheit informiert. Damit sind wir unserer Verantwortung als Bauherrenvertreter nachgekommen.» Weitere Massnahmen hat der Kanton nicht ergriffen.

Stadt wies Bauunternehmen von der Baustelle

Anders reagierte die Stadt auf einer ihrer Baustellen. Beim Schulhaus Halde in Zürich-Oerlikon war die polnische Bauunternehmung Raga GmbH auch tätig, ebenfalls als Sub-Unternehmen von Schmid Amrhein.

Wiebke Rösler Häfliger, Direktorin des Amts für Hochbauten der Stadt Zürich, hat das Sub-Unternehmen sofort von der Baustelle weisen lassen. «Wir wussten nicht, dass ein Sub-Unternehmen auf unserer Baustelle arbeitet.» Die öffentliche Hand habe bei der Vergabe von Aufträgen Vorbildfunktion.

Raga bestreitet Vorwürfe

Der Anwalt der Raga GmbH in der Schweiz teilt gegenüber «Schweiz aktuell» mit: «Meine Mandantin bestreitet die ihr von den ehemaligen Arbeitnehmern gemachten Vorwürfe vehement.» Die Firma habe die Gesetze in der Schweiz und im Ausland respektiert – und auch die Mindestlöhne bezahlt.

Der Luzerner Erstunternehmer Schmid Amrhein AG antwortet nur schriftlich: «Ja, wir haben im Oktober von diesem Vorwurf erfahren, den Subunternehmer sogleich zur Rede gestellt und von ihm die Belege eingefordert. Diese hat er auch geliefert.» Schmid Amrhein liege viel daran, dass ihre Sub-Unternehmer die vertraglichen Verpflichtungen einhalten, ansonsten habe Schmid Amrhein kein Interesse an einer Zusammenarbeit.

Der Fall wird nun von der zuständigen paritätischen Kommission untersucht, dem Kontrollorgan aus Berufsverbänden und Gewerkschaft.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Das USZ drückt die Löhne in der Verwaltung auch durch Tricksereien. Z.B. sehr viele Quereinsteiger arbeiten in nieder bewerteten Positionen. Ich kenne je eine gelernte Coiffeuse und Kosmetikerin an der Patientenaufnahme, Metzger in der Sachbearbeitung/Führungsunterstützung. Ich meine, wenn das so praktiziert wird, warum sollte man länger und gezielt lernen, nicht wahr? KV-Absolventen sind hingegen arbeitslos. Doch die würden mehr verlangen. Von wegen Fachkräftemangel...
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  • Kommentar von Cherubina Müller (Fabrikarbeiterin)
    Die Gewerkschaften haben ihre Zustimmung zur PFZ nicht von strengen flankierenden Massnahmen und bei Missachtung harten Gefängnisstrafen abhängig gemacht, sondern sich gemeinsam mit der Politik zu Lasten der Arbeitnehmerschaft korrumpieren lassen. Die kriminelle Energie privater/staatlicher Bauherren, samt ihren politischen Wasserträgern, ist beachtlich.
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