«Giselle» im Opernhaus: Viel Spitzentanz und zwei Hunde

«Giselle» das grosse französische Handlungsballett ist zurück im Zürcher Opernhaus. 1998 choreografierte der damalige Ballettchef Heinz Spoerli den Klassiker. Die neue, sehr traditionsbewusste Inszenierung stammt von Patrice Bart. Umjubelter Star des Abends war Yen Han als Giselle.

Ein Balettänzerin in weissem Kleid, dahinter im Schatten weitere Tänzerinnen.

Bildlegende: Berührende Ausstralung: Yen Han als Giselle. Gregory Batardon / Opernhaus Zürich

Es ist die dritte Spielzeit von Ballettdirektor Christian Spuck und seiner neu zusammen gestellten Compagnie. Und zum ersten Mal lässt er ein klassisches Handlungsballett tanzen. Das Choreografieren, das hat Spuck allerdings einem anderen überlassen. Dem Altmeister und Fachmann für das französische Ballett Patrice Bart. Wie zu erwarten präsentierte dieser eine traditionelle Interpretation des Klassikers zu der Musik von Adolphe Adam.

Spitzentanz und Hunde

Patrice Bart siedelt die Geschichte des unglücklichen Mädchens Giselle in der Entstehungszeit um 1840 an. Die Tänzerinnen tragen weite bunte Röckchen, die Tänzer enge knappe Strumpfhosen. Nur selten lockert Bart die traditionelle Tanzsprache mit modernen kantigen Bewegungen auf. Viel lieber lässt er seine Primaballerinen Yen Han (Giselle) und Viktorina Kapitonova (Myrtha, Königin der Wilis) unglaublich anmutig auf Spitzenschuhen über die Bühne schweben. Die Show stehlen ihnen dabei nur kurz zwei afghanische Windhunde. Die beiden wirken, sogar wenn sie den Tänzerinnen und Tänzern gähnend zuschauen, unbeschreiblich elegant.

Solides Dirigat und strahlende Primaballerina

Wesentlich weniger elegant ist der Orchesterklang. Der Dirigent Ermanno Florio führt straff und souverän durch die Musik von Adolphe Adam. Aber in den Tanzstücken tönen die Mittelstimmen im Orchester ziemlich unmotiviert und undifferenziert. Aufhorchen lassen dafür die schönen Soli der Bratsche und der Oboe. Und absolut beeindruckend ist Yen Han als Giselle. Yen Han gehört seit über zwanzig Jahren zum Zürcher Ensemble. Aber noch immer begeistert sie das Publikum mit ihrer perfekten Technik und ihrer grossen, berührenden Ausstrahlung.