Handeln, bevor etwas passiert

Wie ernst ist die Lage wirklich, wenn ein Mann damit droht, seine Ex-Freundin zu töten? Seit Februar erhalten Polizei und Staatsanwaltschaft im Kanton Zürich in solchen Situationen Rat von Psychiatern. Die Erwartungen an das Pilotprojekt sind gross.

Die neue Fachstelle mit dem Namen Forensic Assessment ist bereits seit Februar 2014 im Pilot-Betrieb. Die verschiedenen Direktionen des Kantons Zürich haben aber erst am Dienstag in einer Mitteilung darüber informiert. Die Fachstelle sei in den ersten vier Monaten rund 60 Mal in Anspruch genommen worden und habe mündlich und schriftlich dabei geholfen, die Gefährlichkeit von Fällen einzuschätzen, sagt Elmar Habermeyer, der Direktor für Forensische Psychiatrie.

Die erste Schweizer Fachstelle für Bedrohungsanalyse will innerhalb von 24-48 Stunden eine erste Einschätzung geben können, wie gefährlich eine Situation ist. Bisher ging es Tage oder Wochen, bis ein Gutachten erste Anhaltspunkte gab.

Die Fachstelle wird von der Klinik für Forensische Psychiatrie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich betrieben. Ihre Büros hat die neue Fachstelle bei der Kantonspolizei. Ziel des Pilotprojekts sei es, die Polizei- und Strafverfolgungsbehörden so zu beraten, damit diese rasch und situationsgerecht handeln und im Einzelfall dafür sorgen können, dass eine Situation nicht eskaliert. Idealerweise sollen so Gewaltdelikte verhindert werden können.