«Haremsführer zu sein ist ein strenger Job»

Seit 1955 leben im Zürcher Zoo Dscheladas. Was nach mexikanischem Essen tönt, ist eine Pavian-Art. Ein Forschungsteam will nun untersuchen, wie demokratisch die Entscheidungen, etwa über die Schlafplätze, geführt werden. Ausserdem ziehen bald fünf Tiere in die USA - zur Blutauffrischung.

39 Dscheladas, zu Deutsch Blutbrustpavian, leben zur Zeit im Zoo Zürich - in drei Harems, welche je von einem Männchen angeführt werden. Und Chef sein bei den Dscheladas sei kein einfacher Job, sagt Zoo-Direktor Alex Rübel: «Auf der einen Seite müssen die Männchen schauen, dass ihnen die Weibchen nicht davon laufen, auf der anderen Seite werden sie ständig von jungen Männchen herausgefordert.» In freier Natur komme es deshalb fast alle zwei Jahre zu einem Wechsel, zum Teil nach blutigen Kämpfen.

Bei den Dscheladas im Zoo müssen die Zuchtmännchen alle paar Jahre ausgetauscht werden, um Inzucht zu vermeiden. Und aus demselben Grund ziehen in den nächsten Wochen auch zwei Männchen und drei Weibchen in den Bronx Zoo nach New York - um dort das Blut aufzufrischen.

Alleinherrscher oder Demokratie?

Auch ohne Haremskämpfe herrscht bei den Dscheladas im Zoo Zürich des Öfteren ein Tohuwabohu. Und weil der Zoo Zürich einer der führenden Zoos in der Dschelada-Haltung ist, erhalten die Affen Besuch aus Deutschland.

Forscher des Max-Planck-Insituts Radolfzell (D) wollen nämlich herausfinden, wie viel das Haremsmännchen tatsächlich zu entscheiden hat. Wer bestimmt, wer wo schläft oder wann die Dscheladas Nahrung suchen? Und wie demokratisch werden diese Entscheidungen gefällt? Der Zoo hofft, dass die Resultate der Studie helfen, die Haltung der Tiere zu verbessern.