Hilfsangebote für Flüchtlinge: Weniger ist mehr

Als im letzten Herbst die Zahl der Flüchtlinge massiv anstieg, wurde auch der Kanton Zürich von einer Solidaritätswelle erfasst. Unterdessen gehen bei den Flüchtlingseinrichtungen weniger Hilfsangebote ein. Dafür sind die Angebote brauchbarer.

Im Vordergrund unscharf ein Spielzeugtraktor, im Hintergrund sitzt ein Flüchtling auf einem Plastikstuhl und telefoniert.

Bildlegende: Hilfsangebote für Flüchtlinge sind immer noch willkommen. Aber nicht jedes Angebot ist brauchbar. Keystone

Die Bilder der Tausenden von Flüchtlingen, die auf der Balkanroute den Weg nach Europa suchten, rüttelte im letzten Herbst auch die Bevölkerung im Kanton Zürich auf. Die Organisationen, die sich um die Flüchtlinge kümmern, wurden mit Hilfsangeboten aus der Bevölkerung regelrecht überrannt.

Diese Welle ist inzwischen abgeflacht. «Heute melden sich weniger Leute, um Kleider oder Spielzeug zu spenden», stellt zum Beispiel Roman Della Rossa von der Firma ORS fest. ORS betreut im Kanton Zürich rund 10 Asylunterkünfte.

Begegnungen ermöglichen

Die gleiche Beobachtung macht auch Thomas Schmutz von der Asylorganisation Zürich AOZ, die im Auftrag der Stadt Zürich und verschiedener Gemeinden ebenfalls Flüchtlinge betreute. Im Herbst seien allein in der Stadt täglich zehn bis zwanzig Angebote pro Tag eingegangen. Unterdessen seien es noch einige pro Tag.

Auch die Art der Angebote habe sich geändert. Statt Sachspenden werden inzwischen mehr Aktivitäten für Asylsuchenden angeboten, die Begegnungen ermöglichen, sagt Schmutz. So überlege sich zum Beispiel die Tonhalle Zürich, für welche Konzerte sie Karten an Flüchtlinge abgeben könne. Eine gute Sache, finden beide Betreuungsorganisationen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Solidaritätskundgebung im dänischen Aarhus, 12. September 2015.

    Wenn die Flüchtlinge kommen

    Aus Kontext vom 14.9.2015

    Die selben Szenen, an vielen Orten in Deutschland: Menschenmengen, die an Bahnhöfen stehen, um ankommende Flüchtlinge willkommen zu heissen - plötzliche, gelebte Mitmenschlichkeit mitten in Europa.

    Franco Foraci, Bettina Stehkämper