«Ich bin gerne ein Bremser»

Der emeritierte Strafrechtsprofessor Martin Killias hat eine neue Aufgabe übernommen. Er ist Präsident des Zürcher Heimatschutzes und will dort wieder Ruhe in den Verein bringen. So fremd, wie es scheint, ist ihm das Amt nicht.

Der Zürcher Heimatschutz (ZVH) hat einen neuen Präsidenten. Der emeritierte Strafrechtsprofessor Martin Killias aus dem aargauischen Lenzburg ist von der Jahresversammlung mit Applaus gewählt worden. Er übernimmt das Amt von Interimspräsidentin Miriana Albanese.

Diese wiederum übernahm das Präsidium letztes Jahr, nachdem der damalige Präsident Thomas Müller überraschend sein Amt zur Verfügung stellte.Doch die Probleme begannen schon viel früher: 2008 traten der damalige Präsident und neun Vorstandsmitglieder zurück, weil sich innerhalb des Vereins zwei Lager gegenüberstanden. Drei Jahre später kam es zu einem Streit ums Geld.

Früher als Taler-Verkäufer unterwegs

Nun soll der profilierte Strafrechtsprofessor Martin Killias die Situation beim Zürcher Heimatschutz stabilisieren. Er sieht die neue Aufgabe als «schöne Ergänzung» zu seiner bisherigen Tätigkeit. Zudem könne er sich als Jurist wohl auch bei den vielen Rekursen einbringen, mit denen sich der Heimatschutz beschäftigen müsse. «Was in der Vergangenheit im Detail passiert ist, will ich gar nicht wissen», sagt Killias. «Konflikte gehören dazu.»

Der 1948 in Zürich geborene Killias kam bereits in jungen Jahren als Talerverkäufer mit dem Heimatschutz in Kontakt. Obwohl er mittlerweile im Aargau wohnt, sei er mit der Geschichte und der Landschaft des Kantons Zürich eng verbunden. Heimatschutz verstehe er grundsätzlich als «Lobby der alten Steine». Diese seienwichtig für die Identitätsbildung.

Dass dem Heimatschutz das Image eines Verhinderers und Bremsers anhaftet, stört Killias nicht, im Gegenteil: «Als Heimatschützer muss man ein Bremser sein. Nehmen wir als Beispiel die Altstadt von Lenzburg. Da sind in den letzten 20 Jahren sechzig Prozent der Häuser verschwunden - das ist doch eine Katastrofe!»