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Zürich Schaffhausen «Ich bin kein Opfer mehr – missbraucht im Namen Gottes»

Die Winterthurerin Christina Krüsi ist im Urwald von Bolivien in paradiesischer Umgebung aufgewachsen. Als sie sechs Jahre alt war, missbrauchten sie Missionare während mehrerer Jahre aufs Schlimmste.

Legende: Video «Missbrauch in Freikirche» abspielen. Laufzeit 3:15 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 24.04.2014.

«Niemand hat etwas bemerkt.» Das sagt die Lehrerin von Christina Krüsi, das sagen ihre Eltern und auch andere, die auf der Missionsstation lebten. «Die Täter waren offenbar gut organisiert und sehr pervers», sagt Hannes Wiesmann, Direktor von Wycliffe Schweiz. Diese Organisation hat zusammen mit der amerikanischen Gesellschaft SIL die Eltern von Christina Krüsi nach Bolivien geschickt. Aber auch die offensichtlich pädophilen Täter wurden von Wycliffe/SIL ausgewählt.

Ihre Mission im Urwald war, die Bibel für die Indianer zu übersetzen. Dass ihr Kind systematisch sexuell missbraucht wurde, glauben die Eltern von Christina Krüsi inzwischen. Auch die Täter sind ihnen bekannt. Aber diese wurden nie vor Gericht gestellt. «Das ist Sache der Organisation Wycliffe und SIL, da können wir nichts machen», sagen die Eltern heute. Inzwischen sind die Taten verjährt und die meisten der Täter gestorben. Zur Rechenschaft gezogen wurden sie nie.

Malen als Therapie

Christina Krüsi litt lange und schwieg aus Angst, dass man ihr nicht glauben könnte. Erst mit Mitte Dreissig konnte sie endlich darüber reden, was ihr in frühester Kindheit angetan worden war. Und sie stellte fest, sie war nicht die einzige damals. Es begann ein langer Weg, bis sie es endlich schaffte, sich aus der Opferrolle zu befreien.

Geholfen haben ihr ihre Freundin Gudrun, ihre Söhne und ihr heutiger Lebenspartner. Ein wichtiges Mosaiksteinchen in ihrem Heilungsprozess ist einerseits eine Reise nach Bolivien, an den Ort der schrecklichen Erlebnisse, andererseits das Malen von Bildern. In ihrem Atelier in Winterthur sind zahlreiche Werke entstanden, die ihre traumatischen Erinnerungen auf verstörend ästhetische Art thematisieren.

2 Kommentare

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  • Kommentar von Max Meier, Zürich
    @ Ch. Gerber: Hier handelt es sich um evangelische Freikirchen. Wycliffe Schweiz ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Missionen (AEM) mit dem Ehrenkodex SEA (Schweizerische Evangelische Allianz (SEA). Leider kamen/kommen solche Missbräuche überall vor (z.B. Schulen, Heime, Sport...). Heute wird in der westlichen Welt darüber gesprochen, ganz im Gegenteil zu muslimischen Ländern, wo die missbrauchten Kinder/Frauen sogar selber als Täter bestraft werden u. darum meistens schweigen.
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  • Kommentar von Ch. Gerber, Basel
    Die Frau tut mir sehr leid. Im Names Gottes missbraucht zu werden ist offenbar auch in heutiger Zeit auf der Tagesordnung, wenn man dies mit den Pristern und den Buben immer wieder in den Medien liesst. Ich habe hierfür kein Verständniss.
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