«In Beringen wurde zu viel gebaut!»

In der Schaffhauser Gemeinde Beringen stehen 4% aller Wohnungen leer - viermal mehr als im Schweizer Durchschnitt, und es werden vermutlich noch mehr. Hunderte Wohnungen wurden im Bauboom der letzten Jahre gebaut und sind noch am Entstehen.

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Leerwohnungen in Beringen

4:56 min, aus Schweiz aktuell vom 17.9.2014

Zur Besichtigung des neuen Wohnparks «Sunneblick» kommen gerade mal zwei Ehepaare. Die neue Mehrfamilienhaus-Siedlung in Beringen steht seit Anfangs Jahr zur Vermietung. Ab Oktober sind die letzten der 66 Wohnungen fertig. Erst gut ein Drittel ist jedoch vermietet. «Natürlich geht es heute etwas länger als vor zwei bis drei Jahren», sagt der Architekt und Immobilienverwalter Reto Wunderli gegenüber «Schweiz aktuell».

Die Nachfrage lässt auf sich warten

Er macht auch das gestiegene Wohnangebot in der Gemeinde für die eher schleppende Vermietung verantwortlich. Auch in einer Überbauung, die seit einem Jahr auf dem Markt ist, sind erst 60% der Wohnungen vermietet. Investor ist die Suva. Der Unfallversicherer schreibt gegenüber „«Schweiz aktuell», man habe «eine bessere Entwicklung erhofft».

Tiefe Baulandpreise lockten

Zahlreiche Investoren bauten in den letzten Jahren Mehrfamilienhäuser in Beringen. Noch immer wird gebaut. Hunderte neue Wohnungen entstehen insgesamt. Zu viele, meint Immobilienvermarkter Roy Pagno. «Die Bauherren liessen sich von tiefen Baulandpreisen und guten Renditeaussichten verlocken. Nun ist die Nachfrage jedoch äusserst gering, und es wird noch Jahre dauern, bis die Wohnungen vermietet werden können», sieht Pagno voraus. Er sieht wegen der anhaltenden Bautätigkeit sogar eine Verschärfung der Situation voraus.

Finanzielles Risiko für die Gemeinde

Beringen ist in den letzten zehn Jahren um 35% gewachsen. Heute zählt die Schaffhauser Gemeinde 4‘289 Einwohner. Das Wachstum brachte Steuereinnahmen, machte jedoch auch teure Investitionen in die Infrastruktur nötig. Im Moment wird die Hauptstrasse saniert und die Trottoirs verbreitert. Kürzlich wurde ein neues Schulhaus eröffnet, ein zusätzlicher Kindergarten folgt, und in den nächsten Jahren muss die Wasserversorgung ausgebaut werden. Durch diese Ausgaben verschuldet sich Beringen auf 20 Millionen Franken.

Eine Entspannung der Lage ist kurzfristig nicht in Sicht

Ohne neue Steuerzahler brächen die Mehreinnahmen weg. «Wir würden Mühe haben, unsere Schulden zu finanzieren». Auch für Schuler wurde zu viel gleichzeitig gebaut. Eine Entspannung der Wohnleerstände sieht er erst in 3-5 Jahren voraus. Vor allem wegen des neuen Strassentunnels Galgenbuck von Beringen nach Schaffhausen, der in ein paar Jahren die Pendlerzeiten nach Zürich verkürzen soll.

(meim; Schweiz aktuell; 19:00 Uhr)