Iphigenie – nicht auf Tauris, sondern in der weissen Schachtel

Eine Frau – ehrlich und entschieden – soll es richten. In Johann Wolfgang Goethes «Iphigenie auf Tauris» stellt sich die Priesterin gegen die kriegerische Männerwelt. In Joachim Schloemers Inszenierung bleibt die starke Frau zwischen Glitzerkleidchen und Songeinlagen allerdings ziemlich blass.

Ein Mann und eine Frau in einem engen weissen Raum

Bildlegende: Beengend: Die Iphigenie des Theater Neumarkt weilt nicht auf Tauris, sondern in einer engen, weissen Box. zvg

Der Theatersaal im Theater Neumarkt ist ein endlos langer Schlauch. Eine weisse Holzbox fährt immer wieder die ganze Länge ab. Diese Box ist der Tempel der Priesterin Iphigenie. Damit das Publikum wenigstens ab und zu Einblick hat, sitzt es auf kleinen, drehbaren Holzstühlen.

So drehen sich alle wie auf Kommando nach links, um Sabine Waibel als Iphigenie im weissen Kleidchen zu sehen. Oder nach rechts: Dort stehen drei Frauen in goldenen Etuikleidern. Die Haare hochtoupiert, die Hüften wiegend – immer im Takt zu den schnulzigen Songs, die sie singen.

Ratloses Publikum

Goethe greift in seinem Drama auf die finstere Familiensaga der Atriden zurück: Iphigenie wird entführt, der Vater vom eigenen Sohn ermordet. Er wollte ein Stück gegen den Krieg und für die Menschlichkeit schreiben. Joachim Schloemers Inszenierung verliert sich allerdings in leeren Bildern. Lange neunzig Minuten sind es, die das Publikum ziemlich ratlos zurück lassen. Der erhoffte Publikumsmagnet dürfte das Stück daher nicht werden.

(marn; Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 17:30 Uhr)