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Starpädagoge im Zwielicht Jürg Jegges Stiftung ist schockiert über die Missbrauchsvorwürfe

Die Vorwürfe gegen den Starpädagogen Jürg Jegge wiegen schwer: Er soll in den 1970er-Jahren in Therapiesitzungen Schüler missbraucht haben. Schockiert von den Vorwürfen zeigt sich die «Stiftung Märtplatz» – jene Institution, die von Jegge 1985 gegründet wurde. Sie will Massnahmen einleiten.

Ein Mann sitzt in einer Küche.
Legende: In einem Buch richtet ein ehemaliger Schüler schwere Vorwürfe gegen Jürg Jegge, der die «Stiftung Märtplatz» gründete. SRF

Die Vorgeschichte:

Jürg Jegges ehemaliger Schüler Markus Zangger veröffentlichte am Dienstag zusammen mit dem Journalisten Hugo Stamm das Buch «Jürg Jegges dunkle Seite», in dem er ihm jahrelangen sexuellen und psychischen Missbrauch vorwirft. Zangger nimmt an, dass es weitere Opfer gegeben habe. In der Folge trat Jegge als Ehrenpräsident der «Stiftung Märtplatz» zurück.

Die Stellungnahme der «Stiftung Märtplatz»:

Stiftungsleiter Kuno Stürzinger äusserte sich nun zum ersten Mal zu den Vorwürfen an Stiftungsgründer Jegge:

  • «Ich bin aus allen Wolken gefallen. Ich war schockiert, brüskiert. Es kam aus dem Nichts. Wir haben nichts geahnt und wurden nicht informiert. Wir sind bestürzt darüber.»
  • «Da wir als erfahrene Menschen wissen, dass sehr viel passieren kann, was wir nicht ahnen, ist auch so was möglich. Ich glaube, dass, wenn ein betroffener Mensch so ein Buch schreibt, etwas dran sein muss. Davon gehe ich aus.«
  • «Wir bieten Menschen, die betroffen sind, an, sich bei uns zu melden. Wir können ihnen Unterstützung anbieten, indem wir sie an eine geeignete Opferhilfestelle weitervermitteln. Und in einem zweiten Schritt ist es auch sehr wichtig, dass unsere Stiftung genau hinschaut und Prozesse gestaltet, damit es keine Übergriffe geben kann.»

Jürg Jegge hat sich bislang noch nicht zu den Vorwürfen geäussert. SRF hat ihn mehrmals kontaktiert – bislang ohne Erfolg. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Wer ist Jürg Jegge?

Jürg Jegge ist ein Schweizer Pädagoge und Autor. Sein Erstlingswerk «Dummheit ist lernbar» erschien 1976 und wurde mehr als 200'000 Mal verkauft. Es gilt heute noch als Standardwerk für Pädagogik ohne Zwänge und wurde in verschiedene Sprachen übersetzt. Jegge ist ein Kritiker des Schweizer Bildungssystems. Er ist der Ansicht, dass der Mensch individuell nach seinen Stärken ausgebildet werden soll.
1985 gründete Jegge die «Stiftung Märtplatz» im zürcherischen Freienstein, eine berufliche Eingliederungsstätte für junge Menschen mit «Startschwierigkeiten». Nach 26 Jahren als Märtplatzleiter ging Jegge 2011 in Pension und wurde Ehrenpräsident der Stiftung.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Alain Terrieur (Imhof)
    ...meine damals gekauften Jegge Bücher liegen nun so wertlos im Büchergestell!
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Jeder sexuelle Missbrauch, "MUSS" gerichtlich geahndet werden - das sind "KEINE" Kavaliersdelikte, das sind Kriminelle, welche konsequent und für lange Zeit hinter Gitter gehören - ohne wenn und aber!!! Jedes Opfer solcher Taten, ist lebenslang traumatisiert - egal auf welche Art! Sexueller Missbrauch von Erwachsenen an Kindern/Jugendlichen, ist eine verabscheuungswürdige Tat und muss angezeigt werden und gerichtliche Konsequenzen haben - keine "Kuscheljustiz - kein Erbarmen für solche Typen"!!
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  • Kommentar von Silke D. (Nordlicht)
    Der Autor des Buches ist sicherlich überzeugt von dem Unrecht von Herr Jegge. Es mag auch bestimmt viele Momente in den Biographien der Personen geben, die mehrerlei Interpretation zulässt. Unsere heutigen Massstäbe rückwärts anwenden, mag ich aber auch nicht. Das Schweigen ist in meinen Augen richtig und nur weil einer ein Buch schreibt müssen sich die Beteiligten nicht an einer öffentlichen Diskussion beteiligen.
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