Keiner will zusätzliche Lehrer

Seit Anfang Jahr hat der Kanton Zürich seinen Lehrerpool aufgestockt. 250 Lehrerinnen und Lehrer stehen zusätzlich zur Verfügung. Die Gemeinden können sie anfordern, wenn sie Bedarf haben. Nur: Bis jetzt macht das kaum eine Gemeinde. Denn sie müssen 80 Prozent der Kosten übernehmen.

Eine Lehrerin beugt sich zu einem Jungen mit halblangen Haaren, der an einem Pult sitzt.

Bildlegende: Wenn Kinder mehr Aufmerksamkeit benötigen oder wenn viele Kinder zuziehen, können die Gemeinden mehr Lehrer beantragen. Keystone

Kleinere Klassengrössen für eine bessere Qualität der Zürcher Schulen. So lautete die Forderung einer EVP-Initiative. Zu teuer, fand damals die Mehrheit der Zürcher Kantonsparlamentarierinnen und -parlamentarier und schlug einen Kompromiss vor: Der Kanton soll seinen Lehrerpool um 100 Stellen aufstocken. Somit könnten Gemeinden, die zusätzliche Lehrerinnen und Lehrer benötigten, diese unkompliziert und rasch beantragen.

Nach dem ersten Semester zeigt sich nun: Die Gemeinden sind mässig interessiert an den zusätzlichen Stellen. Marion Völger, Chefin des zuständigen Volksschulamtes, spricht von einer «zurückhaltenden Nutzung». Nur gerade 15 Lehrerinnen und Lehrer wurden von den Gemeinden angefordert. Der Grund dafür liegt Marion Völger auf der Hand: «Die zusätzlichen Lehrerinnen und Lehrer sind mit Kosten verbunden.» Die Gemeinden bezahlen 80 Prozent des Lohns selbst.

Erfahrungen sammeln für später

Nur gerade 15 Anfragen - heisst das, der ganze politische Prozess mit Initiative und Gegenvorschlag wäre gar nicht nötig gewesen? Marion Völger findet: doch. Denn die zusätzlichen Lehrerinnen und Lehrer helfen in schwierigen Klassensituationen: Wenn Schülerinnen und Schüler auffällig sind, wenn ungewöhnlich viele Kinder zuziehen, wenn Lehrerinnen krankheitshalber ausfallen. Die Chefin des Volksschulamtes ist deshalb überzeugt: «Es ist gut, dass wir die 100 zusätzlichen Stellen haben.» Denn im Moment gehe es auch darum, Erfahrungen zu sammeln.