Kesb wehrt sich gegen Vorwürfe – Polizeischutz für Mitarbeiter

Die Kritik an der zuständigen Behörde nach dem zweifachen Tötungsdelikt von Flaach reisst nicht ab. Am Montagnachmittag betonte die Kesb erneut, es habe keine Hinweise auf eine akute Gefährdung der Kinder gegeben. Wegen massiver Drohungen wurde die Polizei zum Schutz der Kesb-Mitarbeiter aufgeboten.

Flaach im Zürcher Weinland: Schauplatz der Tragödie.

Bildlegende: Flaach im Zürcher Weinland: Schauplatz der Tragödie. Keystone

Eigentlich hatte die Kesb Winterthur-Andelfingen für Montagnachmittag eine Medienkonferenz geplant. Doch daraus wurde nichts. Man habe «zum Schutz der Mitarbeitenden» darauf verzichtet, heisst es in einer Mitteilung. Grund: Es gab offenbar massive Drohungen gegen die Kesb-Belegschaft. Die Polizei habe deshalb ihr Sicherheitsdispositiv verstärkt. Ausserdem gehe man jeder Drohung nach, bestätigt Kapo-Sprecher Werner Schaub: «Die Kantonspolizei nimmt die Drohungen entgegen und nimmt sie sehr ernst.» Im Einzelfall versuche die Polizei, die Urheber der Drohungen zu ermitteln.

Umstrittener Pikettdienst

In der Mitteilung listete die Kesb überdies erste Erkenntnisse einer internen Untersuchung auf. Darin hält sie unter anderem fest, man habe keinerlei Hinweise auf eine akute Gefährdung der Kinder erkennen können. Und es habe zwischen Weihnachten und Neujahr einen reduzierten Notfalldienst gegeben. Wer die KESB zu dieser Zeit kontaktiert habe, habe Hinweise erhalten, wann das Telefon bedient gewesen sei.

Die Anwältin der betroffenen Mutter, Daniela Fischer, hatte kritisiert, ihre Mandantin habe über die Festtage niemanden bei der Kesb erreichen können. Kurz vor Weihnachten hatte die Kesb einen wichtigen Entscheid gefällt: Die beiden Kinder hätten nach den Weihnachtsferien wieder ins Heim gebracht werden müssen. Die Behörde hatte der Mutter allerdings ein grosszügiges Besuchsrecht für die Zeit danach eingeräumt. «Ich gehe davon aus, dass meine Mandantin diesen Entscheid verstanden hat», sagt Anwältin Daniela Fischer gegenüber SRF.

Das Problem sei vielmehr gewesen, dass sich die Mutter auf einen aussichtslosen Kampf mit der Behörde eingestellt habe. «Und deshalb wäre es enorm wichtig gewesen, wenn die Kesb auch über die Festtage erreichbar gewesen wäre, damit die Mutter mit der Behörde hätte sprechen können», so Fischer. Die Kesb hat aber keinen Pikettdienst. Über die Frage, ob ihre Mandantin deswegen gegen die Behörde juristisch vorgeht, wolle sie sich mit ihr bei Gelegenheit beraten. Da sei noch nichts entschieden.

Kantonsrat war gegen Pikett

Über die Frage eines Pikettdienstes für die Kesb hatte auch der Zürcher Kantonsrat 2011 diskutiert, als das Gesetz für die neue Behörde geschaffen wurde. Die bürgerliche Mehrheit entschied sich gegen ein Pikett. Nun sagt FDP-Kantonsrat Martin Farner, so sei das nicht gemeint gewesen: «Wir gingen davon aus, dass die Behörde in der Praxis in Notfällen sehr wohl auch ausserhalb der Bürozeiten erreichbar sein würde.»

Der Fall der beiden getöteten Kinder liegt unterdessen bei der Staatsanwaltschaft. Sie will sich im Laufe des Montags mit der betroffenen Mutter unterhalten. Die Frau wurde unter dem dringenden Tatverdacht verhaftet, am Neujahrstag ihren fünfjährigen Sohn und ihre zweijährige Tochter umgebracht zu haben.