«Kinderschutz ist das Stiefkind der Politik»

Ulrich Lips, der abtretende Leiter der Kinderschutzgruppe des Kinderspitals Zürich, will sich auch nach seiner Pensionierung dem Thema widmen.

25 Jahre lang leitete Ulrich Lips die Kinderschutzgruppe des Kinderspitals Zürich. In dieser Zeit wurde er mit hunderten von Fällen von körperlicher und psychischer Gewalt gegenüber Kindern und auch mit sexuellen Misshandlungen konfrontiert.

Vor wenigen Tagen zog er letztmals Bilanz: Die Zahl der am Kispi registrierten Kindsmisshandlungen  ist deutlich zurückgegangen auf 444 Fälle. Besonders bei sexuellen Misshandlungen war der Rückgang gross.

«Es braucht eine Fachstelle»

Nach seiner Pensionierung will er sich weiter für misshandelte Kinder einsetzen, auch auf politischer Ebene. «Kinderschutz ist in der Politik ein Stiefkind», kritisiert er. «Alle Parteien schreiben sich Kinderpolitik auf die Fahnen. Aber griffige Instrumente zum Schutz der Kinder gibt es nicht». So kritisiert Lips, dass die Prügelstrafe in der Schweiz nicht ausdrücklich verboten wird. «Darum werde ich mich kümmern.» Vor allem brauche es auf Kantons- oder Bundesebene aber eine Fachstelle, die alle Aufgaben im Bereich Kinderschutz koordiniere.

Weiter will Lips auch in der Forschung weiterarbeiten. Er will noch genauer herausfinden, was eine Misshandlung im Kindesalter bei einem Menschen später, im Erwachsenenleben, bewirkt.