Kispi Zürich hat erstmals weniger Misshandlungs-Meldungen

Das Kinderspital Zürich registrierte 2012 insgesamt 444 Meldungen von Kindsmisshandlungen. Das sind 9,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Vor allem bei Fällen von sexueller Ausbeutung war der Rückgang markant. Ein Trend, den andere Zürcher Fachstellen nicht bestätigen können.

Kinderzeichnung mit einem Mann, der ein Kind schlägt.

Bildlegende: Körperliche Misshandlungen sind häufiger gemeldet worden. Colourbox

Seit den 1990er Jahren zeigt sich dieser Trend in den USA: Die Zahl der Meldungen von sexueller Kindsmisshandlung nimmt ab. 2012 lässt sich diese Entwicklung nun zum ersten Mal auch am Kinderspital Zürich feststellen. 25 Prozent weniger Meldungen von sexueller Ausbeutung wurden dort registriert. Das sind in absoluten Zahlen 50 Fälle weniger als 2011. Ein markanter Rückgang, den sich Ulrich Lips, Leiter der Kinderschutzgruppe des Kinderspitals, nur so erklären kann: «Da ist wirklich 'was passiert.» Konkret haben die Forscher in den USA drei Erklärungen für diese Entwicklung.

Prävention wirkt

Erstens spüre man nun die zahlreichen Aufklärungs- und Präventionsbemühungen. Zweitens wirke die rasche Einschaltung der Strafverfolgungsbehörde abschreckend. Und drittens wachse eine neue Generation heran, deren Grundhaltung und Verhaltensmuster von älteren Generationen abweiche.

Kinderspital ein Einzelfall?

Allerdings kann keine der anderen Fachstellen im Kanton diesen positiven Trend bestätigen. Weder in Winterthur bei der Fachstelle okey noch bei Castagna, der grössten Beratungsstelle für sexuelle Gewalt gegen Kinder, hat man eine Abnahme der Meldungen registriert . «Wir haben nach wie vor die gleich hohen Zahlen», sagt Regula Schwager, eine der Leiterinnen von Castagna. Sie kann sich diesen Rückgang im Kinderspital nicht erklären.Viel mehr glaubt sie, dass es sich trotz allem um eine Schwankung handle.