Krebs-Therapie: Die ETH will von den alten Maya lernen

Jedes Jahr sterben in der Schweiz rund 16‘000 Menschen an Krebs. Trotz teurer Forschung und Therapien bleiben viele Krebsarten unheilbar. Jetzt investiert die ETH Zürich in das Wissen der Maya. Sie erzielten mit ihrer Dschungel-Apotheke und Zeremonien zum Teil erstaunliche Erfolge.

Maya-Frau, in ein rotes Tuch eingehüllt.

Bildlegende: Die Mayas haben einen anderen Zugang, andere Mittel, um Krebs zu heilen - und sie erzielen damit erstaunliche Erfolge. Keystone

Krebs ist «eine Entartung körpereigener Zellen», sagen westliche Mediziner. «Ein Ungleichgewicht des ganzen Systems, des Menschen mit sich selbst, mit seinem Umfeld, mit der Natur und mit dem Schöpfer», sagen die Maya.

So unterschiedlich wie die Definitionen der Krankheit sind, so verschieden auch die Therapie-Ansätze: Während die hiesige Schulmedizin auf Strahlentherapie und Medikamentierung setzt, hat die Krebs-Behandlung bei den Maya immer auch eine spirituelle Dimension. Sie versucht, das innere Gleichgewicht im Menschen wiederherzustellen.

Forscher der ETH-Zürich wollen nun von dem Umgang der uralten, hoch wissenschaftlichen Kultur der guatemaltekischen Urbevölkerung mit Krebs lernen. Dazu haben sie eine spezielle Forschungsgruppe gegründet: Schweizer Onkologen und Physiker arbeiten hier mit Forschern des «Guatemala Maya Council of Elders» zusammen und versuchen, die unterschiedlichen Ansätzen zusammenzubringen.

Die Technik stösst an ihre Grenzen

«Wir konzentrieren uns so sehr auf das Technische», erklärt der Onkologe und Leiter des Krebszentrums, Christoph Renner. «Wir geben Chemotherapie, wir machen alle drei Monate ein Bild, hoffen, dass die Therapie anschlägt.» Überspitzt gesagt: Es geht darum, Tumorzellen zu vergiften, zu verstrahlen, herauszuschneiden. Und mit diesem technischen Ansatz stosse man an Grenzen.

Darum reiste Christoph Renner mit seinem Forscher-Team zu unterschiedlichen Maya-Stämmen in Guatemala um Interviews zu führen, Pflanzentherapien zu studieren und an spirituellen Heilungs-Zeremonien teilzunehmen. So lernten die ETH-Forscher ganz neue Ansätze kennen.

Alles ist eins, das ist der Ansatz der Maya schlechthin. Und darum spielt bei der Behandlung von Patienten auch ihre Geschichte eine wichtige Rolle: Lebenswandel, familiäre und gesellschaftliche Beziehungen, die Beziehung zu Gott – und ganz besonders: die Beziehung zwischen Mediziner und Patienten.

Christoph Renner hat bei den «Medizin-Männern» gelernt: «Wir sollten den Menschen und seine Krankheit mehr als eins sehen und das Umfeld stärker einbeziehen.»