Liebe wird das nie: Die KESB und die Zürcher Gemeinden

Seit drei Jahren gibt es die neue KESB, seit drei Jahren sind die Gemeinden gezwungen, die Rechnungen zu zahlen, ohne mitreden zu können. Die Zusammenarbeit zwischen Gemeinden und KESB war deshalb anfänglich schwierig. Nun hat sie sich verbessert - doch die Skepsis ist nicht ganz verschwunden.

Kaum eine Behörde musste sich in den letzten Jahren derart viel Kritik anhören wie die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde KESB. Sie handle unverhältnismässig, nehme den Eltern die Kinder weg, bewillige teure Massnahmen. Dazu der Fall Flaach, der hohe Wellen warf.

Am Donnerstag präsentierte die KESB Zahlen, welche die Vorwürfe widerlegen sollten. Und sie zeigen: Die Zahl der Massnahmen hat nicht zugenommen. Und die neue Profi-Behörde schickt auch nicht mehr Kinder ins Heim oder zu Pflegeeltern.

Verständnisschwierigkeiten

Doch nicht nur die konkreten Fälle, auch die Zusammenarbeit der KESB mit den Gemeinden sorgte regelmässig für Aufregung. Denn mit der Professionalisierung änderten sich die Rollen. Die KESB befiehlt, die Gemeinde muss zahlen.

Trotz neuer Regeln, welche die Zusammenarbeit vereinfachen sollen, klingt Jörg Kündig noch nicht begeistert. Der FDP-Kantonsrat ist der Präsident aller Gemeindepräsidenten im Kanton Zürich. Er spricht von «Unwohlsein» der Gemeinden: «Wir haben den Eindruck, dass Massnahmen oft nach Schema X angeordnet werden und dem Individuum zu wenig Rechnung tragen.» Die Gemeinden fordern deshalb erneut, dass sie sich gegen Entscheide der KESB wehren können.

Kein Gehör für Forderungen

«Das ist der falsche Weg», glaubt Ruedi Winet, Präsident der Dachorganisation aller KESB. Auch sie verstünden nicht immer alles, was die Gemeinden entschieden. Doch die Unabhängigkeit der KESB sei wichtig. «Wie bei einem Gericht müssen wir entscheiden, ohne stets die Finanzen im Kopf zu haben.» Beide Seiten, KESB und Gemeinden, können sich aber immerhin darauf einigen, dass sie die Zusammenarbeit weiter verbessern wollen.