Jugendkriminalität Kanton ZH Lieber gamen als randalieren

Die Jugendkriminalität im Kanton Zürich ist weiterhin auf tiefem Niveau stabil. Ein Grund: Viele verbringen ihre Freizeit zuhause, zum Beispiel beim Online-Gamen mit Freunden. Das Internet wird aber auch immer häufiger zum Schauplatz von Verbrechen. Stichwort Mobbing.

Jugendliche beschäftigten sich mit einem Online-Spiel

Bildlegende: Onlinespiele boomen, Jugendliche bleiben öfter zuhause. Andererseits wird das Internet auch immer häufiger zum Tatort. Colourbox

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Zürcher Jugendanwaltschaft führte gegen 4670 Jugendliche ein Strafverfahren, das sind vier weniger als im Jahr 2015.
  • 514 Jugendliche mussten sich 2016 wegen Gewalt verantworten, das sind 15 mehr als im Vorjahr.
  • Trotz der minimalen Zunahme, befindet sich die Jugendgewalt im Kanton Zürich auf dem zweittiefsten Stand der letzten zehn Jahre.
  • Am häufigsten landeten die Jugendlichen im vergangenen Jahr wegen Betäubungsmitteldelikten vor dem Staatsanwalt, gefolgt von Vermögensdelikten und Verstössen gegen das Strassenverkehrsgesetz.

In den letzten Jahren ging die Jugendkriminalität kontinuierlich zurück. Noch 2009 waren bei der Jugendanwaltschaft mehr als doppelt so viele Fälle aktenkundig. Marcel Riesen-Kupper, Chef der Oberjugendanwaltschaft, sieht mehrere Gründe für den Rückgang:

Verändertes Freizeitverhalten

An den Schulen werde vermehrt Gewaltprävention betrieben, sagt Riesen. Dazu beigetragen habe aber auch, dass sich die Jugendlichen vermehrt in die eigenen vier Wände zurückzögen. «Anstatt in den Ausgang zu gehen, bleiben sie zuhause und gamen mit Kollegen.» Das führe wahrscheinlich zu weniger Delikten.

Vom Wohlverhalten der Jugendlichen profitiert der Kanton auch finanziell: Er musste viel weniger Geld ausgeben für Schutzmassnahmen oder Heimplatzierungen. Bezahlte er dafür im Rekordjahr 2009 30 Millionen Franken, waren es 2016 noch 17 Millionen Franken.

Verlagerung der Delikte

Wie bei den Erwachsenen werden auch bei Jugendlichen Straftaten im Internet häufiger: Mobbing-Opfer, so Riesen, würden heute vermehrt in den sozialen Medien an den Pranger gestellt anstatt auf dem Pausenplatz verprügelt. «Da gibt es eine Verlagerung in der Art, wie Delikte begangen werden.» Eine Herausforderung für die Strafverfolgung, genauso wie jugendliche Muslime, die radikalisiert werden. Oder die Situation mit minderjährigen Flüchtlingen, die alleine in die Schweiz kommen. Noch gebe es diesbezüglich aber keinen Grund zur Besorgnis, betont Riesen.

«  Wir erleben ein relativ angepasstes Verhalten. »

Marcel Riesen
Zu unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen

Wenn es zu Delikten komme, dann seien diese geringfügiger Art. Insgesamt hat sich der Ausländeranteil minim erhöht, von 33,9 auf 34,3 Prozent. Was sich auch nicht gross verändert hat: Nach wie vor werden viel mehr junge Männer als Frauen straffällig. Das Verhältnis liegt bei eins zu vier.