Zukunft des Hochschulquartiers Lob und Tadel im Zürcher Kantonsrat

Das Zürcher Hochschulquartier soll in den nächsten 30 Jahren tiefgreifend umgestaltet werden. Auf einer Fläche von 30 Fussballfeldern sollen alte Gebäude abgerissen werden und neue entstehen.

Die Hochschulen ETH und Universität Zürich und das Universitätsspital sollen Raum bekommen, um weiter zu wachsen. Zürich als bedeutendes Zentrum für universitäre Medizin soll gestärkt werden. So wollen es der Stadt- und der Regierungsrat von Zürich.

BildlegendeEin bestehendes Quartier (links) soll neu gebaut werden (rechts) – wenn auch nicht ganz so gross, wie zuerst geplant Bildlegendezvg

Ein Generationenprojekt

Der Rahmen für diese Entwicklung wird im kantonalen Richtplan gesteckt. Der Zürcher Kantonsrat hat am Montag mit der Debatte darüber begonnen. Die Mehrheit des Rates steht dem Projekt grundsätzlich wohlwollend gegenüber. Ein Rückweisungsantrag der Grünliberalen hatte keinen Erfolg.

Als Leitplanken setzte der Rat eine Obergrenze für Gebäude. Sie sollen die Höhe von 512 Meter über Meer nicht überschreiten. Zudem begrenzt der Rat die maximale Geschossfläche auf 320'000 Quadratmeter.

Kritik von Links und Grün

SP, Grüne und AL kritisieren die Planung: Sie sei falsch herum angegangen worden. Man habe zuerst gefragt, was die Hochschulen und das Spital wollen und habe dann dieses «Wunschkonzert» in den Masterplan gepackt, statt zu fragen, was im Quartier möglich ist, und die Pläne darauf abzustellen.

Kein Erfolg hatte die linke Ratshälfte mit dem Versuch, attraktive Fuss- und Velowege im Richtplan festzuschreiben. Grundsätzlich kritisiert die linke Ratshälfte auch, dass das Volk zu den Plänen nichts zu sagen hat.

Unverständnis beim Städteplaner

Carl Fingerhuth, der Doyen der Städteplaner, findet für das Vorgehen des Regierungsrates und der Stadt auch keine guten Worte: «Es ist eine Vergewaltigung der Stadt», sagt er im Interview mit dem Regionaljournal. Machen könne man jetzt aber nichts mehr – höchstens noch ein paar Bäume mehr pflanzen.

Im Kantonsrat wird die Debatte in zwei Wochen fortgesetzt.

Die Vorgeschichte

Um die Zukunft des Hochschulstandortes Zürich wird schon lange gerungen. Die Planung begann vor sieben Jahren.

  • Dezember 2009: Der Zürcher Regierungsrat gibt den Startschuss für die Planung der Zukunft des Hochschulquartiers.
  • September 2011: Das Universitätsspital soll im Zentrum bleiben, beschliesst der Regierungsrat.
  • Juli 2013: Der Regierungsrat holt Meinungen zum Entwurf des Masterplans ein.
  • 09.09.2014: Der Masterplan für das Hochschulquartier wird der Öffentlichkeit vorgestellt. Erste Reaktionen sind wohlwollend.
  • 15.09.2014: Spitaldirektorin Rita Ziegler erklärt im Interview die Pläne und plädiert für Mut.
  • 07.06.2016: Zu gross, zu hoch – die Kritiker der Pläne fordern einen Marschhalt.
  • 04.11.2016: Etwas bescheidener und weniger hoch – Stadt- und Regierungsrat stellen die abgespeckte Planung vor.
  • 02.11.2016: Zustimmung zu den Plänen durch die Kommission des Kantonsrates, die das Geschäft vorbereitet.
  • 27.02.2017: Der Zürcher Kantonsrat diskutiert über die Pläne, kommt aber noch zu keinem Ende.