Lynchjustiz, Gangsterjagd und Pokerturnier im Zürcher Opernhaus

Zur Premiere von Giacomo Puccinis «La fanciulla del West» blieben viele Plätze leer. Am «Mädchen aus dem Westen» kann es nicht liegen, die Inszenierung ist ein fulminanter Saisonschlusspunkt.

Bühnenszene: Ein Mann fesselt einen anderen, am Boden liegenden Mann, eine Frau steht daneben

Bildlegende: Wild West auf der Opernhaus-Bühne. «La fanciulla del West» ist ein fulminanter Saison-Schlusspunkt. zvg/Monika Rittershaus

Kalifornien zur Zeit des Goldrausches: Der rabiate Sheriff Jack Rance liebt die schöne Kneipenwirtin Minnie, diese hat ihr Herz jedoch an den Gangster Ramerrez verloren, der in der ganzen Goldgräberstadt gesucht wird.

«La fanciulla del West» bietet Lynchjustiz, eine Gangsterjagd durch den Urwald, eine Pokerpartie auf Leben und Tod – und endet unter dem Galgen. Puccini hat aber keinen Western mit rauchenden Colts geschaffen, sondern ein Stück über entwurzelte Glückssucher und falsche Hoffnungen.

Fussball statt Fanciulla? Ein Fehlentscheid!

Der junge Regisseur Barrie Kosky trägt dem Rechnung. Er bringt keinen Western auf die Bühne, sondern ein beklemmendes Kammerstück. Wer hingegen einen Sergio Leone-Film erwartet, wird enttäuscht.

Das Sängerensemble im Zürcher Opernhaus ist grossartig. Dass trotzdem viele Plätze leer blieben, dürfte an der gleichzeitig stattfindenden Fussball-WM gelegen haben.