Masern-Impfung: Hausärzteverband wehrt sich gegen Vorwürfe

Ärzte sollten Eltern mit mehr Nachdruck dazu bewegen, ihre Kinder gegen Masern impfen zu lassen. Das ist das Fazit einer Studie, die im Auftrag der Universität Zürich erstellt worden ist. Der Hausärzteverband des Kantons Zürich wehrt sich dagegen.

Eine Ärztin impft einen Patienten

Bildlegende: Trotz Bemühungen von Bund und Kanton: Eine Impfrate von 95 Prozent wird bis Ende Jahr nicht erreicht. Keystone

Mit ein Grund, weshalb die Impfquote bei Masern im Kanton Zürich immer noch deutlich unter den angestrebten 95 Prozent ist, sei das Verhalten der Ärzte. Diese würden sich zu wenig Zeit nehmen und würden die Eltern zu wenig «führen». Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie, welche im Auftrag der Universität Zürich erstellt worden ist.

Riccardo Torriani, Präsident des Hausärzteverbandes des Kantons Zürich, weist diese Kritik von sich. «In meiner eigenen Praxis nehme ich mir diese Zeit und ich bin überzeugt, dass dies bei den meisten anderen Ärzten auch so ist», sagte Torriani gegenüber dem «Regionaljournal Zürich Schaffhausen».

«Patient muss selber entscheiden»

Auch den zweiten Vorwurf aus der Studie, dass die Ärzte die Impfung zu wenig offensiv empfehlen, weist Torriani zurück. «Wir wollen mündige Patienten.» Wenn ein Arzt etwas «verkaufen» wolle, wehre sich der Patient. «Ein Arzt kann nur Fakten vermitteln - entscheiden muss der Patient selber», ist Torriani überzeugt.

Stadt Zürich als unerreichbares Vorbild

In der Schweiz haben bisher erst zwei Städte - Zürich und Genf - das Ziel erreicht, 95 Prozent der Bevölkerung zu impfen. In der Stadt Zürich ist das vor allem auf die intensive Arbeit des schulärztlichen Dienstes zurückzuführen. Dieser ruft Eltern von nicht geimpften Kindern immer wieder an. Auch dank dieser Unnachgiebigkeit würden die meisten Kinder geimpft, heisst es beim Schulärztlichen Dienst.

Seit dem 1. Juni müssen alle Gemeinden im Kanton einen Schularzt anstellen. In der Regel haben diese jedoch nur ein kleines Teilzeitpensum. Deshalb ist es ihnen nicht möglich, die Eltern mit der gleichen Intensität «zu bearbeiten» wie das in der Stadt Zürich der Fall ist.