Mehr Unterstützung im Unterricht statt starre Klassengrössen

Keine einzige Gemeinde hat die «Klassengrössen-Initiative» der EVP angenommen. Diese wollte die Klassengrösse auf 20 Kinder beschränken. Angenommen wurde dagegen der Gegenvorschlag zur Initiative. Dieser fordert für grosse Klassen zusätzliche Lehrpersonen.

Eine Lehrerin erklärt zwei Buben eine Aufgabe

Bildlegende: Zusätzliche Lehrer für schwierige Klassen: Der Gegenvorschlag kommt bei der Zürcher Stimmbevölkerung gut an. Keystone

Nur knapp 35 Prozent der Zürcher Stimmberechtigten wollten Schulklassen strikt auf 20 Kinder begrenzen. Das heisst: 143'380 Stimmberechtigte wollten die Vorlage annehmen - 272'446 legten ein Nein ein. Von diesem Resultat ist Kurt Willi vom Zürcher Lehrerverband klar enttäuscht: «Wir haben auf mehr Ja-Stimmen gehofft.»

Auf mehr Zustimmung stiess der Gegenvorschlag: Hier legten rund 53 Prozent ein Ja in die Urne. In Zahlen: 211'480 Stimmberechtigte sagten Ja, 185'052 Nein. Dass sich immerhin der Gegenvorschlag durchsetzen konnte, lindert die Enttäuschung bei Kurt Willi nicht gross: 100 zusätzliche Lehrerstellen seien nicht mehr als «ein Tropfen auf den heissen Stein».

«Die Regierung wollte gar nichts machen»

An der klaren Niederlage gebe es nichts zu rütteln, sagt Initiant Johannes Zollinger (EVP): «Sobald es einen Gegenvorschlag gibt, haben es Initiativen immer schwer.» Ihnen sei es aber zu verdanken, dass das Problem thematisiert worden sei: «Immerhin haben wir einen Gegenvorschlag vom Kantonsrat erhalten - die Regierung wollte ja gar nichts machen.»

Gegenvorschlag: Mehr Lehrerstellen

Der Gegenvorschlag des Kantonsrates will nun mehr Kapazitäten schaffen. Dank zusätzlichen Stellen sollen Problem-Klassen entlastet werden können, wenn es nötig ist. Ein bereits dafür bestehender Pool von 160 Lehrer-Stellen soll daher um 100 aufgestockt werden. Die Umsetzung des Gegenvorschlags führt zu Mehrkosten von rund 15 Millionen Franken.

Umsetzung schon nächstes Schuljahr?

Nun muss die Bildungsdirektion das Anliegen des Gegenvorschlags umsetzen und zusätzliche Lehrpersonen anstellen. Zürichs Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP) könnte sich grundsätzlich vorstellen, dass dies schon auf das nächste Schuljahr der Fall ist - mit einer Einschränkung: «Wir haben ja jetzt schon mit einem Lehrermangel zu kämpfen. Das einzige Problem bei der Umsetzung ist, genug Lehrpersonen zu finden.»

Bei den Lehrpersonen war die Initiative der EVP gut angekommen. Sie haben in ihren Klassen oft Schülerinnen und Schüler, die sehr viel Aufmerksamkeit und Betreuung erfordern. Mit kleineren Klassen erhofften sich die Befürworter, dass Lehrerinnen und Lehrer effizient entlastet werden.

Die Stimmbeteiligung lag bei rund 50 Prozent.