Mephisto auf den Spitzenschuhen

Dieser Roman passt auf die Bühne. Geht es darin doch um eitle, gekränkte, narzisstische und opportunistische Schauspieler. Klaus Mann hat den «Mephisto» 1936 geschrieben. Das Buch wurde verboten, tauchte dann wieder auf, oft im Theater. Im Schauspielhaus glänzen vor allem die Schauspieler.

Ein Mann in engen weissen Hosen und weissem Shirt mit weiss geschminktem Kopf sitzt auf einem Stuhl.

Bildlegende: Macht alles für seinen Erfolg: Thomas Manns «Mephisto». ZVG/Toni Suter

Ist es besser, wenn man ein Buch vor der Premiere liest oder nicht? Diese Frage kann man sich immer stellen, wenn ein bekanntes Werk auf die Bühne oder die Leinwand kommt. Wer den «Mephisto» von Klaus Mann nicht gelesen hat, der entdeckt im Zürcher Schauspielhaus vielleicht einfach eine neue, für ihn unbekannte Geschichte.

Wer das Buch kennt, wird vielleicht enttäuscht, weil die Bilder, die Regisseur Dusan David Parizek erfindet, nicht denen entsprechen, die man sich selber gemacht hat.

Nah am Text

Wörtlich so wie der Roman beginnt, beginnt auch der Abend im Zürcher Schauspielhaus. Die Bühne, lang und nach hinten spitzig wie ein Stück Kuchen, bleibt meistens leer. Dafür nutzt der Regisseur das Parkett. Immer wieder steigen die Schauspieler in den Zuschauerraum, das Publikum wird zu Mitspielenden gemacht. Eine klare Theatersprache zieht sich nicht durch die Inszenierung von Dusan David Parizek. Da wird auf lustigen Instrumenten musiziert, ernsthaft diskutiert, fantastisch geplappert oder qualvoll auf Spitzenschuhen trainiert. Der lange und laute Applaus galt an der Premiere wohl eher dem hochmotivierten Schauspielerensemble und nicht dem Regisseur.

(Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 17:30 Uhr)