Misstöne im Winterthurer Musikkollegium

Das einzige Berufsorchester von Winterthur steckt in finanzieller Schieflage, die Musiker müssen mehr arbeiten und verdienen gleich schlecht. Doch der Chefposten wird aufgestockt - ein zweiter Direktor angestellt. Bei den Musikerinnen und Musikern kommt dies gar nicht gut an.

Die Streicher des Musikkollegiums beim Spielen.

Bildlegende: Wenig Harmonie: die finanzielle Schieflage schlägt im Musikkollegium auf die Stimmung. zvg

Seit Jahren kämpft das Winterthurer Musikkollegium mit finanziellen Schwierigkeiten. Im Juni zeigten sich die Musikerinnen und Musiker bereit, mehr zu arbeiten bei gleichem Lohn. Am Donnerstag wurde bekannt, dass das Kollegium einen zweiten Direktor anstellt - um so mehr Spendengelder zu akquirieren. Zwar werden die Stellenprozente nur von 100 auf 120 ausgebaut. Für das Klima im Orchester ist es dennoch nicht zuträglich: «Das kommt zum psychologisch denkbar ungünstigsten Zeitpunkt», sagt Oboistin und Vorstandsmitglied Franziska van Ooyen zum «Regionaljournal Zürich Schaffhausen».

Und weil die Direktion nun auf zwei Köpfe aufgeteilt wird, fürchtet van Ooyen einen Verlust der Identifikation. «Das Orchester bräuchte jemanden, der sich zu 100 Prozent einsetzt.» Der jetzige Präsident Thomas Pfiffner sei zu wenig präsent gewesen, wird immer wieder kritisiert.

Angst vor dem Untergang

Auch Maja Ingold, Präsidentin des Musikkollegiums, wünscht sich einen Präsidenten, der sich zu 150 Prozent einsetzt. Und auch sie weiss, dass die Aufteilung auf zwei Direktoren schwierig ist. Dennoch beschwichtigt sie: «Wir gehen davon aus, dass der zweite Direktor das Geld für die zusätzlichen 20 Prozent bei den Spendengeldern reinholt.»

Oboistin van Ooyen beruhigt dies nicht: «Es bräuchte neues Vertrauen und die Gewissheit, dass alle an einem Strick ziehen. Ohne dieses Vertrauen haben wir Angst, dass wir untergehen.»