Mit dem Elefantenpark ist das Elefantenhaus Geschichte

Die neuste Attraktion im Zoo Zürich wird am Samstag eröffnet. Der Bau des aufwändigen Tiergeheges mit Wasserlandschaft, Sand und Bäumen wurde allerdings einiges teurer als geplant. Statt 40 Millionen Franken mussten die Zoobetreiber 57 Millionen aufwerfen.

Thailand am Zürichberg

Mehr Platz und mehr Abwechslung für die Elefanten bietet die neue Anlage, die der Zoo Zürich am Wochenende für das Publikum eröffnet. Am Mittwoch hatten die Medien Zugang. Die Anlage bietet einen spektakulären Ausschnitt aus dem Lebensraum der asiatischen Elefanten.

Es platscht und strudelt – Farha stapft zügig ins Wasserbecken. Sie strebt ins Tiefe, wo sie nicht mehr stehen kann. Wie schwerelos schwebt die mächtige Elefantenkuh durchs Wasser, strampelt entspannt mit den Beinen, taucht unter, dreht sich – ein Elefanten-Ballett hinter der sieben Meter breiten und 18 Zentimeter dicken Scheibe aus Acrylglas, durch das die Zuschauer das Spektakel beobachten können.

Der Unterwasser-Einblick ist das Highlight der neuen Elefantenanlage Kaeng Krachan. Benannt ist sie nach dem gleichnamigen Nationalpark in Thailand, wo der Zoo Zürich ein Schutzprojekt für Asiatische Elefanten unterstützt.

Tiere haben mehr zu tun

Die Anlage bietet den Elefanten ein Vielfaches des bisherigen Raums. Die Grösse allerdings sei nicht entscheidend, sagte Kurator Robert Zingg. Sie sei nur das Mittel zum Einrichten: Den Elefanten bietet sich viel mehr Gelegenheit zu verschiedenen Aktivitäten. Sie können auch nach Belieben zwischen Innen- und Aussenraum wechseln.

Es gibt aussen und innen mehrere Wasserbecken zum Baden, Totholzbäume, wo sich die Tiere scheuern und die Rinde abschälen können, Sand, den sie sich auf den Rücken stäuben und wo sie sich suhlen, und rund 40 Futterstationen am Boden, in der Höhe oder auch versteckt in kleinen Felshöhlen.

Schlanker – aber keine «Sprenzel»

Die Tiere frässen deutlich weniger, seit sie sich mehr dafür anstrengen müssten, sagte Zingg. Bulle Maxi habe bereits 200 Kilo abgenommen, seit dem Einzug in die neue Anlage, und auch die Kühe hätten Kilos verloren. Die Verantwortlichen begrüssen das. «Wir wollen keine 'Sprenzel' aus ihnen machen», aber weniger Gewicht tue den Tieren gut, so Zingg.

Eine einschneidende Änderung ist der Systemwechsel bei der Pflege: Waren bisher die Pfleger Teil der Gruppe – und zwar der Teil, der befiehlt – so kommen sie heute nicht mehr in Körperkontakt mit den Elefanten. Die Pflegehandlungen erfolgen durch eine speziell konstruierte durchbrochene Wand und die Tiere wurden so trainiert, dass sie auf bestimmte Kommandos etwa einen Fuss durchreichen.

Das alles basiere aber auf Freiwilligkeit, so Zingg. Es seien also «gute Argumente» nötig, um eine Kooperation zu erreichen. Die Argumente bestehen hauptsächlich aus begehrten Leckerbissen.

«Elefantöser Meilenstein»

Zoo-Verwaltungsratspräsident Martin Naville bezeichnete die Eröffnung der neuen Anlage als «elefantösen Meilenstein». Zwar habe sie mit 57 Millionen Franken deutlich mehr gekostet, als die zu Beginn veranschlagten rund 40 Millionen. «Aber das war es wert». Die Geländeerschliessung wurde, wie üblich, von Kanton und Stadt Zürich finanziert, alles andere kam durch private Spenden zusammen.

Die neue Anlage entspricht den aktuellsten Erkenntnissen der Tierhaltung. Aber das tat auch die alte, als sie vor 43 Jahren eröffnet wurde, wie Naville sagte. Heute ist es eine «Elefantengarage mit Vorplatz».

«Schweiz Aktuell»

Die Spezialserie «Das Haus der Giganten» berichtet vom 4. bis 6. Juni über den neuen Elefantenpark.