Mit einfachen Mitteln grossartig inszeniert: «Clavigo» im TZ

Sehr modern wirkt das Trauerspiel «Clavigo», obwohl es 240 Jahre alt ist. Aber die Geschichte über Karriere oder Familie, wahre Liebe oder gesellschaftlicher Aufstieg ist aktueller denn je. Und wird im Theater Kanton Zürich packend erzählt.

Eine Frau steht vor zwei Mànnern - vor schwarzem Hintergrund.

Bildlegende: Soll Clavigo (mitte) seine Marie wegen seiner Karriere verlassen, wie Carlos (hinten) dies will? ZVG

Ein Tisch, zwei Stühle und ein arg schiefer Parkettboden. Mehr braucht die junge Regisseurin Caro Thum nicht, um die Geschichte von Clavigo und Marie zu erzählen. Clavigo ist ein junger Schönling auf dem Weg nach oben, Marie eine arme Emigrantin, die nicht mehr in sein neues Leben passt.

Caro Thum rafft das Trauerspiel zusammen, lässt manche Szenen gleichzeitig spielen und gibt Marie den Platz auf der Bühne, den sie in Clavigos Leben nicht mehr hat.

So zieht sie sich im Hintergrund ihr Brautkleid an und reisst es sich wieder vom Leib, während Carlos sie bei Clavigo anschwärzt. Dichte Bilder entstehen mit ganz einfachen Mitteln.

Das Theater Kanton Zürich, die einzige professionelle Wanderbühne im Land, wagt sich zum ersten Mal in seiner 42jährigen Geschichte an ein Stück von Johann Wolfgang Goethe. Und berührt das Publikum mit einem grossartig inszenierten und mit viel Leidenschaft gespielten «Clavigo».