Versuch mit Tagesschule Mittagessen in der Schule nicht mehr obligatorisch

Neue Regeln für den Schulversuch mit Tagesschulen in der Stadt Zürich. Die Kinder müssen nicht mehr in der Schule essen.

Ob freiwillig oder obligatorisch: Das gemeinsame Mittagessen in der Schule ist offenbar beliebt.

Bildlegende: Ob freiwillig oder obligatorisch: Das gemeinsame Mittagessen in der Schule ist offenbar beliebt. Keystone

  • Fünf Schulen in der Stadt Zürich beteiligen sich seit letztem Sommer am Versuch für Tagesschulen.
  • Damit soll einem Bedürfnis vieler Eltern entsprochen werden.
  • Ziel ist, dass alle Kinder am Mittag gemeinsam essen.
  • Diese Regel wird ab nächstem Sommer aufgeweicht.

An drei Schulen konnten die Eltern ihre Kinder schon bisher vom Essen in der Schule abmelden. Bei zwei Schulen – im Schulhaus Aegerten in Wiedikon und im Schulhaus Leutschenbach – war dies jedoch nicht möglich. Eltern, die ihr Kind dennoch über Mittag selber betreuen wollten, mussten es in eine andere Schule umteilen lassen.

Diese Regelung gilt nun nicht mehr. Das haben die Präsidentinnen und Präsidenten der Zürcher Schulkreise beschlossen. Roberto Rodriguez, Präsident des Schulkreises Uto, hat diesen Entscheid in einem Brief an die Eltern publik gemacht. Eine der beiden betroffenen Schulen – das Schulhaus Aegerten – liegt in seinem Kreis.

Gegenüber dem «Regionaljournal Zürich Schaffhausen» erklärte er, dass der Entscheid mit der Haltung der kantonalen Bildungsdirektion zusammenhänge. Diese hat erklärt, dass ein solches Obligatorium nicht in Frage komme, sollten die Tagesschulen einmal definitiv eingeführt werden. «Dann hat es auch keinen Sinn, eine solche Lösung in einem Versuch zu testen.»

Freiwillig oder obligatorisch: Es gibt keinen Unterschied

Ohnehin spiele diese Frage kaum eine Rolle. Eine erste Auswertung des Versuchs zeige, dass jeweils weniger als fünf Prozent der Eltern ihre Kinder über Mittag zu Hause betreuen wollen. Es gebe keine Unterschiede zwischen den Schulen, die bisher auf Zwang gesetzt hätten und jenen, bei denen es von Anfang an freiwillig war.

Bei den Parteien kommt der Entscheid sehr unterschiedlich an. Walter Angst, AL-Gemeinderat, kritisierte das Ende des Obligatoriums in einem Vorstoss. «Stets hiess es, das gebundene Mittagessen sei ein wesentlicher Teil der Tagesschule.» Er versteht nicht, warum dies nun gestrichen werden.

Froh dagegen ist SVP-Gemeinderat Daniel Regli, einer der grössten Gegner der Tagesschule: «Es ist doch nicht fair, ein Kind aus dem Freundeskreis herauszureissen und in ein anderes Schulhaus zu stecken, nur weil es nicht an diesem Versuch mitmachen will.»

Trotz der Freude über den Entscheid bleibt Daniel Regli grundsätzlich skeptisch. Denn es bleibt beim Plan der Stadt, bis im Jahr 2025 das Modell der Tagesschulen definitiv in allen Schulkreisen einzuführen.