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Zürich Schaffhausen «Offizielle Anerkennung des geschehenen Unrechts ist angebracht»

Der Kanton Zürich entschuldigt sich bei den «administrativ Versorgten». Er begrüsst eine schweizweite Rehabilitierung von Personen, die noch bis in die 1980er Jahre zum Beispiel wegen «sittlicher Verdorbenheit» eingesperrt worden sind.

Frauengefängnis Hindelbank in der Aussenansicht.
Legende: «Liederliche» Frauen wurden im Frauengefängnis Hindelbank «versorgt» - ohne ein Verbrechen begangen zu haben. Keystone

Die Zürcher Regierung entschuldigt sich offiziell bei jenen Menschen, die noch bis 1981 «versorgt» worden sind, also zu Unrecht in Anstalten eingewiesen wurden. «Es handelt sich unbestrittenermassen um ein dunkles Kapitel der Schweizer Sozialgeschichte», schreibt der Zürcher Regierungsrat. Dies als Stellungnahme zu den bundesrätlichen Plänen, die «administrativ Versorgten» mit einem Gesetz zu rehabilitieren.

Es sei «systematisch Unrecht getan» worden, kommt die Zürcher Regierung zum Schluss. «Eine offizielle Anerkennung des geschehenen Unrechts ist deshalb angebracht.»

Wer nicht der gängigen Moral entsprach, wurde «versorgt»

«Versorgt» wurden im Kanton Zürich etwa Jugendliche, die «sittlich verdorben oder gefährdet» waren oder weil sie ihren Eltern «böswilligen oder hartnäckigen Widerstand» leisteten. Oft wurden junge Frauen und Männer in Strafanstalten eingewiesen, wo sie nicht von den Straftätern getrennt waren. Nach der Entlassung trugen sie das Stigma, im Gefängnis gewesen zu sein.

«Die Wunden verheilen nie»

Die Entschuldigung kommt bei den Betroffenen unterschiedlich an. «Die Entschuldigung tut mir gut», sagte Ursula Müller-Biondi. Sie wurde mit 17 von ihrem Freund schwanger, rannte von zu Hause weg, weil sie befürchtete, sie werde gezwungen, ihr Kind abzutreiben. Als sie gefasst wurde, sperrte man sie in die Strafanstalt Hindelbank. Man habe sie damals aus Zürich vertrieben.

Jetzt kann ich mich endlich wieder zu Hause fühlen.

Dennoch kritisiert sie, dass die Entschuldigung über 30 Jahre lang auf sich warten liess.

Viel kritischer ist René Stutz. Er wurde in den 40er Jahren als uneheliches Kind einer Jüdin geboren - und galt damit schon als möglicherweise kriminell. Nach diversen Pflegefamilien steckten die Zürcher Behörden ihn in ein Heim für Schwersterziehbare. «Die Entschuldigung des Kantons ist eine fromme Geste mit ein wenig Papier.» René Stutz fordert eine Entschädigung.

Wir haben viel verpasst deswegen, das ist kaputt, das kommt nicht mehr.

Und auch Ursula Müller-Biondi sagt: «Die Wunde verheilt nie mehr. Wir nehmen das Leiden mit ins Grab.»

Legende: Video Ein Leben lang bestraft – Das Leiden der administrativ versorgten Ursula Biondi abspielen. Laufzeit 27:00 Minuten.
Aus Reporter vom 15.04.2009.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von R. Meier, Thun
    Es sei "systematisch Unrecht getan" worden. Das ist aus heutiger Sicht so. Damals hat man anders gedacht und gehandelt. Die heutige Kuscheljustiz - wo nicht einmal mehr renitenten Sozialhilfeempfängern die Leistungen gekürzt werden dürfen - setzt hier andere Massstäbe. Und in ein paar Jahren werden wir das heutige Handeln auch verurteilen. Heute wie morgen gilt: Wir müssen aus der Vergangenheit lernen. Es ist aber undankbar, den damals korrekt Handelnden Vorwürfe zu machen.
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    1. Antwort von A.Merkli, Bütschwil
      R.Meier, ihr letzter Satz entsetzt mich. Sollen sich die Betroffenen noch für ihr Schicksal bedanken? Zu unser aller Glück haben sich die Gesetze doch geändert und es hat ein Umdenken stattgefunden. Es ist eine Schande was in unserem Land vor eigentlich wenigen Jahren noch möglich war. Nur, weil so etwas vielen geschehen ist, darf man das doch einfach nicht bagatellisieren. Es geht hier um Menschenwürde, die jedem zugestanden werden sollte.
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